Simon the Sorcerer auf der Switch

Wenn man an klassische Point-and-Click-Adventures denkt, dann führt kaum ein Weg vorbei an Simon the Sorcerer. 1993 erschien der erste Teil dieser britischen Kultreihe, entwickelt von Adventure Soft und ein Meilenstein des Genres: Eine bunte Fantasywelt voller Parodie, Witz und kniffliger Rätsel, die sich stilistisch und humoristisch an Terry Pratchett, Monty Python und „Discworld“ orientierte und gleichzeitig eine ganz eigene, sarkastische Stimme fand. In einer Zeit, als LucasArts und Sierra das Genre dominierten, war Simon the Sorcerer ein ungewöhnlicher, britisch geprägter Außenseiter, der mit seinem spöttischen Protagonisten und einem augenzwinkernden Umgang mit Genre-Klischees schnell Fanliebling wurde.

Für viele, die Ende der 80er und Anfang der 90er ihre ersten Stunden vor C64, Amiga oder DOS-Maschinen verbrachten, war es damals ein Fest: Eine Story, die mehr war als nur Fantasy-Geschwurbel, Dialoge, die den Spieler tatsächlich zum Schmunzeln brachten, und Rätsel, die einem das Hirn zermarterten, ohne jemals unfair zu wirken. Klassiker wie „Wear Dog“ – ein Puzzle, das selbst heute noch in Retrospektiven als Sinnbild für abstruse Adventure-Logik zitiert wird – gehörten genauso dazu wie charmante NPCs und eine gewisse respektlose Verrücktheit, die sich nie um politische Korrektheit scherte.

Und dann war da lange Zeit … Stille. Die Spielewelt drehte sich weiter, 3D dominierte, neue Genres kamen auf, und während andere Point-and-Click-Serien gelegentlich wieder auftauchten, geriet Simon in Vergessenheit. Diverse Versuche, die Marke neu zu beleben – etwa durch Silver Style Entertainment vor einigen Jahren – blieben weit hinter den Erwartungen zurück.

Jetzt, mit Simon the Sorcerer Origins, bringt Smallthing Studios zusammen mit Publisher ININ Games diesen alten Bekannten zurück – und zwar als offiziell lizenziertes Prequel zur Saga, das erzählt, wie Simon überhaupt zum Zauberer wurde. Spieler über 40 mögen sich noch an die lange Zeit erinnern, in der Spiele mit handgezeichneter Grafik, point-and-click Gameplay und humorvollen Dialogen das Maß aller Dinge waren. Origins ist eine Liebe an genau jene Ära – mit modernen Verfeinerungen, aber ohne den Kern dessen zu verlieren, was diese Spiele damals besonders gemacht hat.

Was sofort auffällt, sobald man Origins auf der Nintendo Switch startet, ist der Cartoon-artige Stil: handgezeichnete Hintergründe und Animationen, die wie aus einer Zeichentrickserie der 90er wirken. Es ist, als hätte man die Nostalgie selbst in Pixel gegossen. Die Grafik verzichtet bewusst auf fotorealistische 3D-Effekte oder knallige HDR-Lichter – stattdessen bekommt man eine warme, leicht nostalgische Welt, die perfekt zur Stimmung der alten Serie passt. Und auch musikalisch bemüht sich das Spiel, die alte Zeit aufleben zu lassen: Hier und da ertönen Melodien, die an klassische Adventure-Soundtracks erinnern, ohne sich in modernen Synthie-Wänden zu verlieren.

Die Story beginnt ungewöhnlich: Simon ist nicht der schlagfertige Zauberer, den man aus den alten Spielen kennt, sondern ein noch junger Teenager, der gerade mit seiner Familie in ein neues Haus umgezogen ist – weil ihm wieder einmal die Schule über den Kopf gewachsen ist. Bevor er sich versieht, stolpert er über eine magische Schwelle in eine fremde Welt voller seltsamer Kreaturen, mächtiger Zauberer und noch mächtigerer Rätsel. Schnell stellt sich heraus, dass er Teil einer alten Prophezeiung ist und nur durch das Erfüllen selbiger einen Weg zurückfinden kann.

Das Spielgefühl wird Fans alter Adventures sofort vertraut vorkommen: Simon läuft durch eine Reihe von 2D-Szenarien, sammelt Gegenstände ein, kombiniert sie, spricht mit allerlei skurrilen Gestalten und löst eine Vielzahl von Rätseln, die oft genug dazu zwingen, um die Ecke zu denken. Dieses klassische Adventure-Gerüst wurde um eine moderne Zauberspruch-Mechanik erweitert, bei der Simon neue Fertigkeiten erlernt, um Objekte zu verändern oder neue Wege zu öffnen – eine nette Ergänzung, die frischen Wind hineinbringt, ohne die klassischen Mechaniken zu ersetzen.

Und hier liegt auch eine der größten Stärken des Spiels: die Balance zwischen Alt und Neu. Für Kenner der alten Titel ist Origins ein wohliger Trip in die Vergangenheit. Man fühlt sich sofort wieder in die Rolle des geheimen Zauberlehrlings versetzt, der jeden Winkel absucht und jedes Item aufnimmt, nur um herauszufinden, wozu es gut sein könnte. Gleichzeitig ist die Story so aufgebaut, dass auch Neulinge keine Vorkenntnisse brauchen – das Prequel steht narrativ für sich.

Aber kein Trip in die Vergangenheit ist perfekt. Bereits nach kurzer Spielzeit merkt man, dass nicht alle Puzzles elegant designt sind. Einige Rätsel wirken übertrieben kryptisch oder greifen auf die Art von Logik zurück, die früher mit „pixel hunting“ beschrieben wurde – man klickt alles an, in der Hoffnung, dass etwas passiert. Und da das Spiel kein integriertes Hinweis-System besitzt, kann man bei manchen Aufgaben schon einmal längere Zeit hängen bleiben, was gerade für Gelegenheitsspieler frustrierend sein kann.

Auch die Story selbst ist nicht immer ein Meisterwerk. Während der Anfang mit seiner Mischung aus Humor und Coming-of-Age-Elementen durchaus charmant ist, bleibt die Erzählung streckenweise etwas flach und vergisst zwischendurch, ihre Figuren wirklich zu entwickeln. Hintergrundcharaktere wirken mitunter eindimensional, und einige Dialoge hätten sich mehr Tiefe verdient. Doch gerade in den Momenten, in denen Simon seine spitze Zunge und seinen schrägen Humor auspackt, fühlt es sich wieder richtig nach Simon the Sorcerer an – nach den gnadenlosen Seitenhieben auf Fantasy-Konventionen, den absurden Situationen und dem albernen Spaß, den man damals so liebte.

Auf der Switch läuft das Spiel solide. Die Steuerung per Joy-Con ist intuitiv, das UI klar und ohne große Hürden. Je nachdem, wie man spielt, dauert ein Durchlauf etwa 10–12 Stunden, was für ein Adventure dieser Art ein angenehmes Paket darstellt – nicht zu kurz, nicht zu lang.

Für diejenigen, die Simon the Sorcerer in den 90ern gespielt haben, kann Origins genau den Funken Nostalgie entfachen, der Spiele dieser Art so besonders macht. Für jüngere oder weniger erfahrene Adventure-Fans kann es eine charmante und lohnende Einführung in ein Genre sein, das wieder an Fahrt gewinnt. Die Mischung aus klassischem Point-and-Click-Gameplay, sarkastischem Humor und moderner Spielmechanik macht es zu einem Titel, der sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart zu würdigen weiß.

Am Ende ist Simon the Sorcerer Origins kein perfektes Spiel – es stolpert hier und da über seine eigenen Ambitionen, und manche Rätsel wirken eher wie Hürden als wie elegante Herausforderungen. Dennoch ist es genau der richtige Titel für alle, die sich schon einmal gefragt haben, wie Simon eigentlich zum Zauberer wurde und denen nostalgische Abenteuer mit ein bisschen Herz und Humor noch immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Für alle anderen ist es eine solide, charmante Adventure-Erfahrung, die beweist, dass Klassiker auch heute noch relevant sein können, wenn man sie mit Respekt und frischem Denken neu interpretiert.