Pirate Outlaws 2 im Test auf dem PC

Es gibt Spiele, bei denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass sie nicht laut um Aufmerksamkeit buhlen müssen. Keine Explosionen, keine überinszenierten Zwischensequenzen, keine Tutorials, die einem jede Entscheidung vorkauen. Pirates Outlaws 2: Heritage gehört genau in diese Kategorie. Es ist ein Spiel, das still, fast unaufdringlich daherkommt – und gerade deshalb besonders gut zu einer Spielergeneration passt, die noch weiß, wie es war, sich Mechaniken selbst zu erarbeiten und Niederlagen als Teil des Lernprozesses zu akzeptieren.

Der Vorgänger Pirates Outlaws erschien 2019 und traf damals einen Nerv: Ein roguelike Deckbuilder mit Piraten-Thema, klaren Regeln, überschaubarer Präsentation und überraschend viel spielerischer Tiefe. Kein Sammelkarten-Zwang, keine Monetarisierungsfallen, sondern ein ehrliches, fast schon altmodisches Designverständnis. Heritage setzt genau hier an – nicht als radikaler Neuanfang, sondern als behutsame Weiterentwicklung, die ihre Wurzeln kennt und respektiert.

Schon der Titelzusatz „Heritage“ ist Programm. Statt alles umzukrempeln, baut Fabled Game das Fundament weiter aus. Das Grundprinzip bleibt vertraut: Man steuert einen Piratenkapitän durch zufällig generierte Begegnungen, kämpft rundenbasiert mit einem Karten-Deck, sammelt neue Karten, Relikte und Fähigkeiten, scheitert, beginnt neu – und wird mit jedem Durchlauf ein bisschen besser. Dieses Loop-Design erinnert stark an klassische Roguelikes der 80er und 90er, nur eben übersetzt in die Sprache moderner Deckbuilder.

Was Pirates Outlaws 2 sofort angenehm macht, ist seine Klarheit. Die Benutzeroberfläche ist aufgeräumt, die Karten sind gut lesbar, Effekte werden verständlich erklärt. Gerade für Spieler über 40, deren Augen und Geduld nicht mehr jede Design-Extravaganz mitmachen, ist das ein echter Pluspunkt. Das Spiel verlangt Aufmerksamkeit und Konzentration, aber es erschlägt den Spieler nicht mit Reizüberflutung. Hier steht das Denken im Vordergrund – nicht die Reaktionsgeschwindigkeit.

Inhaltlich erweitert Heritage das bekannte System um neue Kapitäne, Kartenmechaniken und Synergien. Besonders gelungen ist, dass jede Spielfigur sich wirklich anders anfühlt. Wer mit einem defensiv orientierten Charakter startet, muss sein Deck völlig anders planen als mit einem aggressiven Glas-Kanonen-Build. Diese Unterschiede sind nicht kosmetisch, sondern tief im System verankert. Das erinnert an alte Strategiespiele, bei denen jede Fraktion ihre eigene Logik hatte – und genau das sorgt für Langzeitmotivation.

Der Schwierigkeitsgrad ist dabei fordernd, aber fair. Niederlagen kommen häufig, vor allem in den ersten Stunden, doch fast immer hat man das Gefühl, selbst die Verantwortung zu tragen. Eine falsche Kartenwahl, ein zu riskanter Kampf, ein unüberlegter Ressourcenverbrauch – Pirates Outlaws 2 bestraft keine Neugier, aber Nachlässigkeit. Für Spieler, die mit Permadeath-Konzepten aus Rogue, NetHack oder später Diablo groß geworden sind, fühlt sich das vertraut an.

Audiovisuell bleibt das Spiel bewusst zurückhaltend. Die Grafik ist funktional, sauber gezeichnet und thematisch stimmig, ohne große Highlights setzen zu wollen. Animationen erfüllen ihren Zweck, Effekte sind klar, aber nie spektakulär. Das ist kein Spiel, das man wegen seiner Optik startet – aber eines, das nach Stunden immer noch angenehm aussieht. Der Soundtrack begleitet das Geschehen unauffällig, fast meditativ. Kein Ohrwurm-Alarm, aber auch nichts, was nervt oder ermüdet.

Auf der spielerischen Ebene überzeugt vor allem die Tiefe. Hinter der zunächst einfachen Struktur verbirgt sich ein komplexes Zusammenspiel aus Karten, Statuswerten, Gegnerverhalten und langfristiger Planung. Gerade das macht Pirates Outlaws 2 so reizvoll für eine ältere Zielgruppe: Es ist ein Spiel, das Respekt vor der Zeit des Spielers hat, aber gleichzeitig fordert. Man kann eine Runde in 20 Minuten spielen – oder sich stundenlang in Optimierungen verlieren.

Nicht alles ist perfekt. Wer eine große erzählerische Rahmenhandlung oder starke Figurenentwicklung erwartet, wird enttäuscht. Die Geschichte ist eher funktional und dient als Motivation für den nächsten Run. Auch der Einstieg könnte für komplette Neulinge im Genre etwas sanfter sein. Zwar erklärt das Spiel seine Regeln, doch vieles erschließt sich erst durch Ausprobieren und Scheitern. Für Spieler Ü40 ist das oft kein Nachteil – aber es ist eine bewusste Designentscheidung.

Am Ende ist Pirates Outlaws 2: Heritage ein Spiel, das sich anfühlt wie ein gutes, altes Brettspiel: leicht zu lernen, schwer zu meistern, und mit jeder Partie spannender. Es ist kein Titel für zwischendurch nebenbei, sondern einer, der Konzentration verlangt – und genau dafür belohnt. Für Spieler, die mit taktischem Denken, Geduld und Freude am System groß geworden sind, ist das fast schon eine kleine Zeitreise.