Das Omi Wearable AI und Viaim RecDot im Test

Künstliche Intelligenz findet inzwischen ihren Weg in immer kleinere Geräte. Nach Smartwatches und intelligenten Brillen versuchen nun auch sogenannte AI Wearables, unseren Alltag zu erleichtern. Zwei Vertreter verfolgen dabei ein ähnliches Ziel, gehen aber völlig unterschiedliche Wege: das Omi AI Wearable und die Viaim RecDot AI Wireless Earbuds. Beide versprechen, Gespräche automatisch aufzuzeichnen, zu transkribieren und mithilfe von KI auszuwerten. Im Alltag unterscheiden sie sich jedoch deutlich.

Schon beim ersten Blick wird klar, dass beide Hersteller unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie KI den Nutzer begleiten soll. Omi ist ein kleiner Anhänger, der um den Hals getragen oder magnetisch an der Kleidung befestigt wird. Er soll möglichst unauffällig den gesamten Arbeitstag begleiten und als eine Art „zweites Gedächtnis“ dienen. Viaim verfolgt dagegen einen deutlich pragmatischeren Ansatz. Die RecDot sehen wie gewöhnliche True-Wireless-Kopfhörer aus und vereinen Telefonie, Musikwiedergabe und KI-Funktionen in einem Gerät, das viele Menschen ohnehin täglich tragen.

Die Software

Die eigentliche Stärke von Omi liegt in seiner Software. Das Wearable erstellt nicht nur Transkripte, sondern fasst Gespräche zusammen, erkennt Aufgaben, legt Erinnerungen an und macht sämtliche Inhalte später wieder durchsuchbar. Dadurch entsteht mit der Zeit ein persönliches Wissensarchiv. Besonders spannend ist der offene Ansatz: Omi setzt auf Open Source und erlaubt Entwicklern, eigene Erweiterungen und Funktionen bereitzustellen. Dadurch besitzt das Gerät deutlich mehr Entwicklungspotenzial als viele geschlossene Systeme.

Viaim konzentriert sich dagegen stärker auf den praktischen Alltag. Die Earbuds eignen sich hervorragend für Meetings, Telefonate oder Vorlesungen und erstellen ebenfalls Transkripte sowie Zusammenfassungen. Hinzu kommen Übersetzungsfunktionen, die besonders bei internationalen Gesprächen oder auf Geschäftsreisen hilfreich sein können. Wer ohnehin ständig Kopfhörer trägt, muss seinen Alltag kaum umstellen und erhält die KI-Funktionen praktisch nebenbei.

Für wen ist das eigentlich geeignet?

Gerade für Journalisten sind beide Geräte interessant. Interviews lassen sich automatisch mitschneiden und transkribieren, wodurch das lästige Mitschreiben entfällt und man sich stärker auf das eigentliche Gespräch konzentrieren kann. Auch bei längeren Pressekonferenzen oder Veranstaltungen dürfte das eine erhebliche Zeitersparnis bedeuten. Hier spielt Omi seine Stärken aus, weil sämtliche Gespräche langfristig archiviert und später bequem durchsucht werden können. Wer dagegen hauptsächlich einzelne Interviews oder Meetings dokumentieren möchte, dürfte mit den RecDot schneller ans Ziel kommen.

Datenschutz?

Natürlich wirft insbesondere Omi auch Fragen zum Datenschutz auf. Das Gerät ist ausdrücklich dafür konzipiert, nahezu permanent zuzuhören. Zwar weist eine Status-LED auf laufende Aufnahmen hin, dennoch sollte man sich stets bewusst sein, dass in vielen Situationen die Zustimmung aller Gesprächspartner erforderlich sein kann. Die Viaim RecDot wirken hier etwas unauffälliger, weil Aufnahmen meist gezielt gestartet werden und nicht der Eindruck eines ständig mithörenden Assistenten entsteht.

Im Alltag entscheidet letztlich die eigene Arbeitsweise darüber, welches Konzept besser funktioniert. Wer möglichst viele Gespräche, Ideen und Besprechungen dauerhaft dokumentieren und später intelligent durchsuchen möchte, findet in Omi das deutlich spannendere Gesamtpaket. Entwickler und Technik-Enthusiasten profitieren zusätzlich vom offenen Softwarekonzept. Wer hingegen in erster Linie hochwertige Bluetooth-Kopfhörer sucht und KI-Funktionen als sinnvolle Ergänzung betrachtet, dürfte mit den Viaim RecDot glücklicher werden.

Fazit

Mein Eindruck ist deshalb, dass beide Produkte weniger direkte Konkurrenten sind, als es auf den ersten Blick scheint. Omi möchte das persönliche Langzeitgedächtnis erweitern und Wissen dauerhaft verfügbar machen. Viaim verbessert dagegen einen Gegenstand, den viele ohnehin täglich nutzen, um praktische KI-Funktionen. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – sie richten sich lediglich an unterschiedliche Nutzer. Wer möglichst tief in die Welt der KI-Assistenten eintauchen möchte, sollte Omi im Blick behalten. Wer dagegen ein alltagstaugliches Gesamtpaket aus Kopfhörern und intelligenter Gesprächsaufzeichnung sucht, findet in den Viaim RecDot die vermutlich unkompliziertere Lösung.

Darauf kommt es im Alltag an

Transkriptionsqualität:
Die wichtigste Disziplin beider Geräte ist die Spracherkennung. Entscheidend ist dabei weniger perfektes Hochdeutsch im ruhigen Büro als vielmehr die Leistung bei mehreren Sprechern, Dialekten oder Hintergrundgeräuschen. Gerade für Journalisten oder Meeting-Protokolle sollte die Erkennungsrate möglichst hoch bleiben.

Sprechererkennung:
Kann die KI verschiedene Gesprächspartner zuverlässig unterscheiden? Eine automatische Zuordnung der Aussagen spart später viel Nacharbeit – besonders bei Interviews oder Besprechungen mit mehreren Teilnehmern.

Zusammenfassungen:
Ein gutes KI-Transkript ist hilfreich, eine brauchbare Zusammenfassung oft noch wertvoller. Idealerweise erkennt die KI automatisch wichtige Entscheidungen, Aufgaben und offene Punkte, anstatt lediglich den Gesprächsverlauf zu kürzen.

Mehrsprachigkeit und Übersetzungen:
Wer international arbeitet, sollte darauf achten, welche Sprachen unterstützt werden und wie zuverlässig Übersetzungen funktionieren. Besonders spannend ist die Frage, ob Sprachwechsel innerhalb eines Gesprächs problemlos erkannt werden.

Bedienkomfort:
Wie schnell lässt sich eine Aufnahme starten? Wie übersichtlich ist die App? Können Aufnahmen später leicht durchsucht werden? Im Alltag sind oft diese kleinen Details entscheidender als zusätzliche KI-Funktionen.

Akku und Laufzeit:
Ein AI-Wearable muss einen kompletten Arbeitstag durchhalten. Interessant ist außerdem, wie sich dauerhafte Aufnahmen auf den Energieverbrauch auswirken und wie schnell die Geräte wieder einsatzbereit sind.

Datenschutz:
Gerade in Europa spielt der Umgang mit personenbezogenen Daten eine zentrale Rolle. Wo werden Aufnahmen gespeichert? Erfolgt die Verarbeitung lokal oder in der Cloud? Können Gespräche dauerhaft gelöscht werden? Und vor allem: Wie transparent informiert das Gerät darüber, dass gerade aufgenommen wird?

Für Journalisten besonders interessant:
Für Interviews, Pressekonferenzen und Gemeinderatssitzungen können beide Geräte eine enorme Arbeitserleichterung sein. Statt parallel mitzuschreiben, lässt sich die Aufmerksamkeit vollständig auf das Gespräch richten. Anschließend liefern KI-Transkripte und Zusammenfassungen eine solide Grundlage für die spätere Recherche. Gleichzeitig ersetzen sie jedoch nicht die journalistische Sorgfalt: Namen, Zahlen und Zitate sollten weiterhin anhand der Originalaufnahme überprüft werden.

KategorieOmi AIViaim RecDot
Tragekomfort★★★★☆★★★★★
KI-Funktionen★★★★★★★★★☆
Journalisten★★★★★★★★★☆
Reisen★★★☆☆★★★★★
Datenschutz★★★☆☆★★★★☆
Zukunftspotenzial★★★★★★★★★☆
KategorienTechSchlagwörter