Wenn die Tastatur auch gleich die Maus ersetzt

Tastaturen gehören eigentlich zu den Geräten, bei denen man sich nur schwer vorstellen kann, das Rad noch einmal neu zu erfinden. Tasten sind Tasten, könnte man meinen. Clevetura sieht das offenbar anders und kombiniert beim Clevetura S eine kompakte Tastatur mit einem Touchpad – allerdings ohne dafür irgendwo ein zusätzliches Touchfeld unterzubringen. Stattdessen sind die Tasten selbst das Touchpad.

Was zunächst ein wenig nach technischer Spielerei klingt, entpuppte sich im Test erstaunlich schnell als ausgesprochen praktische Idee. Vor allem unterwegs hat mir das Clevetura S richtig gut gefallen.

Einmal über die Tastatur wischen, bitte

Das Herzstück der S-Serie nennt Clevetura „TouchOnKeys“. Unter den flachen Tasten befindet sich eine berührungsempfindliche Ebene. Statt die Hand von der Tastatur zu nehmen und nach Maus oder Touchpad zu greifen, wischt man einfach direkt über die Tasten und bewegt damit den Mauszeiger.

Auch typische Touchpad-Gesten gehören dazu. Scrollen, Zoomen oder Mehrfingergesten lassen sich direkt auf der Tastatur ausführen. Unterhalb der Leertaste befinden sich zusätzlich zwei physische Maustasten.

Clevetura S. Bild Thorsten Schreck
Clevetura S. Bild Thorsten Schreck

Das klingt beim ersten Lesen vermutlich genauso merkwürdig, wie es sich beim ersten Ausprobieren anfühlt. Schließlich sind wir seit Jahrzehnten darauf konditioniert, auf Tasten zu drücken und nicht darüber zu streichen. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert der Wechsel zwischen Schreiben und Maussteuerung aber erstaunlich intuitiv.

Und genau hier liegt für mich die große Stärke des Konzepts.

Gemacht für den mobilen Einsatz

Mit rund 29 Zentimetern Breite ist das Clevetura S angenehm kompakt und mit etwa 430 Gramm leicht genug, um ohne großes Nachdenken im Rucksack zu verschwinden. Das flache Aluminiumgehäuse vermittelt dabei einen hochwertigen Eindruck. Die Low-Profile-Tasten erinnern vom Schreibgefühl eher an eine gute Notebook-Tastatur als an ein mechanisches Gaming-Keyboard.

Gerade in Kombination mit einem Tablet spielt das Konzept seine Vorteile aus. Statt Tastatur und Maus mitzunehmen, reicht ein einziges Eingabegerät. Selbst ein Smartphone kann damit zu einer überraschend brauchbaren kleinen Arbeitsstation werden.

Und genau das habe ich während der gamescom ausprobiert.

Smartphone, VR-Brille und Clevetura S – überraschend gut

Auf der gamescom hatte ich Gelegenheit, das Keyboard in einer etwas ungewöhnlicheren Kombination zu testen: Clevetura S, Smartphone und VR-Brille.

Gerade dort hat mich das Konzept endgültig überzeugt. Das Smartphone übernimmt die eigentliche Rechenarbeit, die VR-Brille stellt die Arbeitsumgebung dar und mit dem Clevetura S habe ich Tastatur und Maus praktisch in einem Gerät vor mir.

Clevetura S. Bild Thorsten Schreck
Clevetura S. Bild Thorsten Schreck

Das Zusammenspiel funktionierte überraschend gut und zeigte für mich sehr deutlich, wohin die Reise bei mobilen Arbeitsplätzen gehen könnte. Man braucht nicht zwingend ein Notebook samt Zubehör, wenn Smartphone oder Tablet ohnehin genügend Leistung für die täglichen Aufgaben bieten.

Natürlich möchte ich einen längeren Artikel nicht unbedingt ausschließlich auf dem Smartphone verfassen. Für Messen, Reisen, Meetings oder den schnellen Einsatz unterwegs kann ich mir diese Kombination aber sehr gut vorstellen. Vor allem die Tatsache, dass keine zusätzliche Maus benötigt wird, macht einen größeren Unterschied, als man zunächst vermuten würde.

Ein bisschen Eingewöhnung gehört dazu

Ganz ohne Lernkurve funktioniert das Clevetura S allerdings nicht. Die Finger müssen sich zunächst daran gewöhnen, dass dieselbe Oberfläche zwei vollkommen unterschiedliche Aufgaben übernimmt.

Beim Schreiben soll die Tastatur schließlich Tastatur bleiben, während eine gleitende Bewegung über die Tasten plötzlich den Cursor steuert. Nach einiger Zeit geht dieser Wechsel erstaunlich selbstverständlich von der Hand, am Anfang ertappt man sich aber durchaus noch dabei, automatisch nach einer Maus zu greifen.

Auch das Schreibgefühl ist natürlich Geschmackssache. Wer mechanische Tastaturen mit deutlich spürbarem Hub und kräftigem Anschlag bevorzugt, bekommt hier etwas völlig anderes. Das Clevetura S setzt auf flache Scissor-Tasten und orientiert sich damit deutlich stärker an modernen Notebook-Keyboards.

Mir hat das im mobilen Einsatz gut gefallen. Gerade unterwegs möchte ich schließlich kein schweres mechanisches Keyboard durch die Gegend tragen.

Mehr als eine technische Spielerei

Interessant ist auch, dass Clevetura die Touch-Funktion nicht einfach nur als Mausersatz betrachtet. Über die Software lässt sich die Bedienung anpassen, während auch die obere Tastenreihe für berührungsempfindliche Steuerungen genutzt werden kann. Dazu kommt eine RGB-Beleuchtung, die unter anderem Bewegungen der Finger über die Oberfläche sichtbar macht.

Das wirkt zunächst verspielt, gibt aber gleichzeitig ein visuelles Feedback darüber, was gerade auf der Tastatur passiert.

Viel wichtiger ist für mich allerdings, dass TouchOnKeys im Alltag tatsächlich einen Nutzen hat. Gerade bei ungewöhnlichen mobilen Setups wird aus dem vermeintlichen Gimmick plötzlich das entscheidende Feature.

Fazit: Ein hervorragender Reisebegleiter

Das Clevetura S hat mir im Test sehr gut gefallen. Nicht unbedingt, weil ich jetzt sofort meine große Desktop-Tastatur samt Maus entsorgen möchte, sondern weil das Keyboard ein Problem löst, das vor allem unterwegs relevant ist.

Wer mit Notebook, Tablet oder sogar nur einem Smartphone arbeitet, bekommt Tastatur und Touchpad in einem angenehm kompakten Gerät. Man benötigt weniger Platz, muss weniger Zubehör transportieren und kann trotzdem vernünftig schreiben und den Mauszeiger steuern.

Mein persönliches Highlight war deshalb auch der Einsatz auf der gamescom zusammen mit Smartphone und VR-Brille. Diese Kombination hat erstaunlich gut funktioniert und mir gezeigt, wie interessant das Clevetura S gerade für mobile Arbeitsplätze sein kann.

Die Idee, einfach über die eigenen Tasten zu wischen, fühlt sich zunächst etwas seltsam an. Nach kurzer Zeit stellt sich allerdings eher die umgekehrte Frage: Warum können das eigentlich nicht mehr Tastaturen?

Transparenzhinweis: Das Clevetura S wurde uns vom Hersteller kostenfrei für diesen Test zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

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