Es gibt Spiele, die fordern vom ersten Moment an die volle Aufmerksamkeit. Und dann gibt es Titel wie Hearth and Hamlet, bei denen man irgendwann feststellt, dass sie bereits seit Stunden auf dem zweiten Monitor laufen – und man trotzdem immer wieder nachschaut, ob inzwischen genügend Holz, Stein oder Nahrung zusammengekommen ist, um endlich den nächsten Schritt zu machen.
Der gemütliche Städtebau-Mix von Phorust Studios gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Hearth and Hamlet verbindet klassischen Aufbau mit Idle- und Incremental-Mechaniken und schafft damit ein angenehm entschleunigtes Spielerlebnis. Für meinen ersten kompletten Durchgang habe ich ungefähr zwölf Stunden benötigt – und die vergingen erstaunlich entspannt.
Kleine Anfänge, große Pläne
Dabei startet das eigene Reich denkbar bescheiden: mit einem Lagerfeuer und einem kleinen Zelt. Von einer mittelalterlichen Metropole ist zunächst nicht viel zu sehen. Doch genau darin liegt der Reiz. Nach und nach werden Ressourcen gesammelt, Arbeiter verschiedenen Aufgaben zugeteilt und neue Gebäude errichtet.
Aus dem kleinen Lager wird ein Dorf, daraus eine Stadt und irgendwann ein durchaus beeindruckendes Königreich.

Das grundlegende Spielprinzip ist schnell verstanden. Nahrung wird benötigt, um die Bevölkerung zu versorgen, während Holz, Stein, Gold und weitere Ressourcen für Gebäude und Verbesserungen gebraucht werden. Mit wachsender Bevölkerung stehen wiederum mehr Arbeitskräfte zur Verfügung, die sich den verschiedenen Produktionsbereichen zuweisen lassen.
Damit beginnt eine klassische Spirale: mehr Arbeiter bedeuten mehr Ressourcen, mehr Ressourcen ermöglichen neue Gebäude und Verbesserungen und diese eröffnen wiederum zusätzliche Möglichkeiten.
Ein Städtebauspiel zum Nebenherlaufenlassen
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Aufbauspielen ist allerdings, dass Hearth and Hamlet keinen permanenten Aktionismus verlangt. Sind die Arbeiter erst einmal sinnvoll verteilt, produzieren sie selbstständig weiter.
Und genau das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Es gibt immer wieder Momente, in denen für den nächsten Ausbau schlicht noch ein paar Ressourcen fehlen. Statt nun hektisch irgendwelche Nebenaufgaben abzuarbeiten, kann man Hearth and Hamlet einfach laufen lassen. Währenddessen erledigt man etwas anderes, surft durchs Netz oder arbeitet am zweiten Bildschirm – und schaut einige Minuten später wieder nach seinem kleinen Reich.
Dann reicht das Holz endlich für das nächste Gebäude oder der Vorrat ist groß genug für eine weitere Verbesserung. Also wird kurz geplant, gebaut und optimiert, bevor die Bewohner wieder an die Arbeit gehen.
Dadurch entwickelt Hearth and Hamlet einen überraschend angenehmen Rhythmus. Es ist kein Spiel, das ständig ruft: „Beschäftige dich mit mir!“ Vielmehr wartet es geduldig darauf, dass man wieder vorbeischaut.
Mehr als Holz hacken und Häuser bauen
Ganz ohne Entscheidungen geht es natürlich nicht. Mit dem Wachstum der Siedlung werden immer weitere Mechaniken freigeschaltet. Forschung eröffnet neue Technologien und Gebäude, während Gesetze und Strategien Einfluss auf das eigene Reich nehmen.
Auch Handel spielt zunehmend eine Rolle. Kontakte zu anderen Ländern ermöglichen zusätzliche Ressourcen und erweitern die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Später kommen Verteidigung, Soldaten und sogar Magie hinzu. Alchemie und Magieakademien sorgen dafür, dass sich das zunächst recht bodenständige Mittelalter-Szenario zunehmend in Richtung Fantasy entwickelt.

Dadurch gelingt es Hearth and Hamlet recht gut, regelmäßig etwas Neues vor die Nase zu setzen. Gerade wenn sich die bisherige Produktionsroutine eingespielt hat, erscheint bereits die nächste Möglichkeit, an der man schrauben kann.
Trotzdem sollte niemand eine komplexe Wirtschaftssimulation erwarten. Hearth and Hamlet möchte kein mittelalterliches Anno sein und verlangt auch keine minutiöse Planung jeder einzelnen Produktionskette. Die Systeme bleiben vergleichsweise überschaubar und zugänglich.
Das passt allerdings hervorragend zum Gesamtkonzept.
Pixel statt Prunk
Optisch setzt Phorust Studios auf eine hübsche Pixelgrafik, die hervorragend zum gemütlichen Charakter des Spiels passt. Kleine Gebäude, Wälder, Flüsse und später immer imposantere Bauwerke lassen die Entwicklung des eigenen Reiches auch visuell nachvollziehbar werden.

Besonders schön ist dabei der Kontrast zwischen dem unscheinbaren Anfang und dem späteren Königreich. Wer nach einigen Stunden zurückdenkt, wie alles einmal mit einem Lagerfeuer angefangen hat, bekommt durchaus dieses typische Aufbaugefühl: „Das habe ich hier hingestellt.“
Dabei bleibt die Präsentation angenehm übersichtlich. Hearth and Hamlet bombardiert den Spieler nicht mit unzähligen Menüs und Tabellen, sondern lässt einen relativ schnell erkennen, was gerade benötigt wird und worauf man als Nächstes hinarbeitet.
Rund zwölf entspannte Stunden
Für meinen ersten Durchgang habe ich ungefähr zwölf Stunden gebraucht. Das klingt zunächst vielleicht nicht nach besonders viel für ein Aufbauspiel, allerdings sollte man die Spielzeit im Zusammenhang mit dem Konzept betrachten.
Ein Teil dieser Zeit besteht bewusst daraus, dem eigenen Reich beim Arbeiten zuzusehen beziehungsweise das Spiel nebenher laufen zu lassen. Für mich war das keineswegs störend – im Gegenteil. Gerade diese Mischung hat Hearth and Hamlet zu einem ausgesprochen angenehmen Begleiter gemacht.

Natürlich bedeutet das gleichzeitig, dass Spieler, die ständig aktiv beschäftigt werden möchten, mit dem Konzept weniger anfangen können. Wer alle paar Sekunden eine neue Entscheidung treffen oder permanent optimieren möchte, dürfte die Wartephasen möglicherweise als Leerlauf empfinden.
Wer dagegen Idle-Spiele mag und schon immer einmal etwas mehr Aufbau und Strategie darin haben wollte, findet hier eine ziemlich interessante Mischung.
Fazit
Hearth and Hamlet ist ein sympathischer kleiner Städtebauer, der erfreulich wenig Stress verursacht. Ressourcen sammeln, Arbeiter verteilen, Gebäude freischalten, forschen und anschließend dem eigenen Reich eine Weile beim Wachsen zusehen – das funktioniert erstaunlich gut.
Gerade die Möglichkeit, das Spiel zwischendurch einfach laufen zu lassen, hat mir gefallen. Irgendwann schaut man wieder hinein, stellt erfreut fest, dass die Lager voll sind, baut die nächste Erweiterung und setzt sich damit selbst gleich das nächste kleine Ziel.
Mit zunehmendem Fortschritt sorgen Handel, Forschung, Gesetze und Magie außerdem dafür, dass aus dem zunächst simplen Ressourcen-Sammeln ein kleines, aber abwechslungsreiches Aufbauspiel entsteht.
Hearth and Hamlet erfindet weder das Städtebau- noch das Idle-Genre neu. Die Kombination aus beiden funktioniert aber ausgesprochen gut. Wer nach Feierabend gemütlich ein Königreich hochziehen möchte, ohne dabei das Gefühl zu haben, nebenbei noch ein Studium in mittelalterlicher Volkswirtschaft absolvieren zu müssen, darf ruhig einen Blick riskieren.
Wertung: 8/10 Sofakissen
Kurz & knapp
Genre: Incremental City Builder / Simulation / Strategie
Entwickler: Phorust Studios
Publisher: Runic Forge / Gamersky Games
PR/Promotion: RUNE
Plattform: PC
Release: 19. August 2026
Spielmodus: Einzelspieler
Getestete Spielzeit: ca. 12 Stunden
Sprache: unter anderem Deutsch
Verfügbarkeit
Hearth and Hamlet ist seit dem 19. August 2026 für PC über Steam erhältlich.
Transparenzhinweis: Das Spiel wurde uns für diesen Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

