Aether & Iron ist Decopunk mit Benzin im Blut

Mit Aether & Iron liefern Seismic Squirrel und Chaos Theory Games ein herrlich eigenständiges Rollenspiel ab, das schon beim Setting aus der Masse heraussticht. Statt klassischer Fantasy, Endzeit oder Weltraum gibt es ein alternatives New York der 1930er Jahre, in dem Antigravitations-Technologie die Stadt buchstäblich in die Luft gehoben hat.

Das Ergebnis ist ein stilvoller Mix aus Noir, Decopunk, taktischem Rollenspiel und rundenbasierten Fahrzeugkämpfen. Spieler schlüpfen in die Rolle der Schmugglerin Gia, stellen eine Crew zusammen, verbessern ihre Fahrzeuge und geraten in eine Geschichte voller Macht, Klassenunterschiede, Verschwörungen und schwebender Straßenschluchten.

Eine Welt zwischen Art déco und Antigravitation

Die größte Stärke von Aether & Iron ist seine Welt. Das Spiel nimmt die Ästhetik der 1930er Jahre, mischt sie mit futuristischer Aether-Technologie und erschafft daraus eine Stadt, die gleichzeitig vertraut und fremd wirkt. Autos, Straßen und ganze Stadtteile schweben über dem Boden, während unter der glänzenden Oberfläche soziale Spannungen brodeln.

Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel
Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel

Technisch spannend ist dabei, wie das Spiel seine Welt nicht über riesige offene Areale erzählt, sondern über fokussierte Schauplätze, Dialoge, Kartenansichten und interaktive Punkte. Dadurch wirkt das Abenteuer angenehm straff. Statt minutenlang durch leere Gassen zu laufen, landet man schnell bei den interessanten Momenten: Gesprächen, Entscheidungen, Ermittlungen und Kämpfen.

Rundenbasierte Fahrzeugkämpfe mit cleverem Twist

Besonders ungewöhnlich sind die Kämpfe. Hier stehen keine klassischen Helden mit Schwert und Zauberstab auf einem Raster, sondern Fahrzeuge mit Waffen, Panzerung und Spezialmodulen. Positionierung, Bewegungsrichtung und Ausrüstung spielen eine zentrale Rolle.

Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel
Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel

Wer frontal angreift, seitlich ausweicht oder Gegner in ungünstige Positionen zwingt, nutzt das System deutlich besser aus. Waffen können je nach Montagepunkt andere taktische Möglichkeiten eröffnen. Dazu kommen Reparaturmöglichkeiten, Gefahrenzonen, Verkehr, Hindernisse und unterschiedliche Fahrzeugrollen.

Das macht die Kämpfe angenehm frisch. Aether & Iron fühlt sich dadurch nicht wie das nächste Rollenspiel nach Schema F an, sondern wie ein Titel mit eigener mechanischer Identität. Man plant nicht nur Angriffe, sondern ganze Fahrmanöver.

Rollenspiel mit Entscheidungen und Würfeln

Neben den Kämpfen lebt das Spiel stark von seinen Dialogen. Entscheidungen werden häufig über Fertigkeitsproben aufgelöst, bei denen Würfelwürfe und Charakterwerte zusammenkommen. Das erinnert angenehm an Pen-and-Paper-Rollenspiele, bleibt aber zugänglich und gut lesbar.

Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel
Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel

Die Fähigkeiten decken verschiedene Lösungswege ab: mal geht es um Überreden, mal um technische Kenntnisse, mal um Beobachtungsgabe oder kriminelles Geschick. Dadurch entsteht das schöne Gefühl, dass die eigene Figur nicht nur im Kampf, sondern auch in Gesprächen ein Profil bekommt.

Crew, Fahrzeuge und Fortschritt

Ein Schmugglerleben funktioniert selten allein. Deshalb stellt Gia im Laufe des Spiels eine Crew zusammen, deren Mitglieder eigene Talente und Persönlichkeiten mitbringen. Diese Begleiter sind nicht nur reine Wertepakete, sondern tragen zur Atmosphäre und zur Geschichte bei.

Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel
Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel

Auch die Fahrzeuge entwickeln sich weiter. Neue Waffen, bessere Ausrüstung und angepasste Module erlauben unterschiedliche Spielstile. Wer schnell und riskant unterwegs sein will, spielt anders als jemand, der auf robuste Panzerung und schwere Feuerkraft setzt.

Starke Präsentation und viel Stimme

Ein echtes Plus ist die Vertonung. Aether & Iron setzt stark auf gesprochene Dialoge und verleiht seiner Noir-Welt dadurch viel Charakter. Gerade bei einem Spiel, das so sehr von Atmosphäre, Figuren und Tonfall lebt, ist das enorm wichtig.

Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel
Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel

Optisch punktet der Titel mit handgezeichnet wirkenden Szenen, markanten Porträts und einem klaren Stilgefühl. Die Mischung aus Art-déco-Architektur, schwebenden Straßen und dreckigem Untergrund sorgt für eine Welt, die sofort Wiedererkennungswert besitzt.

Technische Besonderheiten und Komfort

Das Spiel unterstützt unter anderem Windows und macOS, bietet Steam Achievements, Cloud-Speicherung und vollständige Controller-Unterstützung. Auch mehrere Sprachen werden unterstützt, darunter deutsche Texte. Das ist gerade für ein dialoglastiges Rollenspiel ein wichtiger Punkt.

Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel
Aether & Iron. Screenshot Seismic Squirrel

Positiv fällt außerdem auf, dass die Entwickler nach Veröffentlichung weiter an Bedienung, Lesbarkeit, Lokalisierung und Kampfbalance gearbeitet haben. Updates verbesserten etwa UI-Elemente, Tutorials, Controller-Bedienung, Effekte und kleinere Fortschrittsprobleme.

Zusammenfassung

Aether & Iron ist ein ungewöhnliches, stilvolles und angenehm eigenständiges Rollenspiel. Die Mischung aus Decopunk-Noir, alternativer Geschichte, taktischen Fahrzeugkämpfen und dialogstarkem Storytelling funktioniert erstaunlich gut.

Wer Lust auf ein Rollenspiel hat, das nicht schon wieder Elfen, Orks oder Weltraumsoldaten bemüht, bekommt hier ein frisches Szenario mit viel Charakter. Aether & Iron ist charmant, clever, atmosphärisch dicht und mechanisch mutig. Genau solche Spiele zeigen, warum Indie-RPGs so spannend sein können.