Wenn aus ein paar Sätzen plötzlich ein eigenes Spiel wird

Ein eigenes Videospiel entwickeln? Klingt großartig. Dann fallen einem Begriffe wie Programmierung, Grafikdesign, Animation, Sound und Game-Design ein und aus der großartigen Idee wird ziemlich schnell ein Projekt, für das man entweder einiges können, viel lernen oder ein Team zusammentrommeln muss.

Auf der gamescom sind wir allerdings auf eine Plattform gestoßen, die genau diese Einstiegshürde mit Hilfe künstlicher Intelligenz drastisch senken möchte: Combos von Converge AI.

Das Versprechen ist zunächst erstaunlich simpel: Beschreibe der KI, was für ein Spiel du gerne hättest – und sie versucht, daraus ein tatsächlich spielbares Game zu bauen.

Vom Prompt zum Spiel

Das Prinzip erinnert im ersten Moment an die inzwischen bekannten generativen KI-Werkzeuge. Statt ein Bild oder einen Text anzufordern, beschreibt man bei Combos jedoch ein Spiel. Genre, grundlegende Mechaniken, Figuren, Szenario oder gewünschter Grafikstil können über natürliche Sprache vorgegeben werden.

Daraus entwickelt Combos zunächst die Struktur des Spiels. Die Plattform kann Spiellogik und Assets erzeugen und unterstützt sowohl 2D- als auch 3D-Projekte. Wer möchte, kann anschließend über einen visuellen Editor selbst Hand anlegen, Elemente verschieben, verändern und das Ergebnis weiter verfeinern.

Programmieren können muss man dafür nicht.

Genau das macht Combos interessant. Die Plattform richtet sich nicht ausschließlich an Entwickler, die mit KI ihren bisherigen Workflow beschleunigen möchten. Auch jemand, der schlicht eine Spielidee im Kopf hat, soll daraus einen funktionierenden Prototyp entwickeln können.

Das Spektrum reicht dabei von kleinen Casual Games und Plattformern über Puzzle- und Strategiespiele bis hin zu Rollenspielen und narrativen Adventures. Combos kann sogar verzweigte Geschichten mit unterschiedlichen Entscheidungen und Enden umsetzen.

Ist eine Version spielbar, lässt sie sich direkt testen und anschließend über einen Browser-Link veröffentlichen und mit anderen teilen.

Spielentwicklung für alle?

Bei unserer Begegnung mit Combos auf der gamescom war gerade dieser niedrige Einstieg die faszinierende Komponente. Eine Idee für ein kleines Spiel zu haben, ist schließlich nicht besonders schwierig. Diese Idee tatsächlich in ein funktionierendes Spiel zu verwandeln, war bislang eine ganz andere Hausnummer.

Generative KI verändert diese Grenze gerade erheblich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass plötzlich jeder innerhalb weniger Minuten das nächste Baldur’s Gate oder GTA erschaffen kann. Zwischen einem KI-generierten spielbaren Prototyp und einem über Jahre entwickelten professionellen Videospiel liegen weiterhin Welten. Game-Design besteht schließlich nicht nur daraus, dass eine Spielfigur laufen und auf Knopfdruck irgendetwas verhauen kann.

Balance, Dramaturgie, Leveldesign, gutes Feedback für den Spieler und vor allem eine wirklich gute Idee lassen sich nicht einfach mit einem Zauberwort erledigen.

Aber genau deshalb könnte Combos an einer anderen Stelle besonders interessant werden: beim Experimentieren.

Was passiert, wenn ich meine verrückte Spielidee einfach einmal ausprobiere? Funktioniert die Mechanik überhaupt? Macht das Spaß? Oder möchte ich lediglich für Freunde ein kleines Spiel bauen, ohne vorher monatelang eine Engine und Programmiersprache lernen zu müssen?

Hier sinkt die Hürde gewaltig.

Und dann wäre da noch der Elefant im Raum: KI

Natürlich lässt sich über ein solches Werkzeug kaum schreiben, ohne über generative KI selbst zu sprechen.

Der Einsatz von KI in kreativen Bereichen wird kontrovers diskutiert – und das aus nachvollziehbaren Gründen. Woher stammen Trainingsdaten? Welche Auswirkungen haben solche Werkzeuge auf Künstler, Programmierer und andere Kreative? Wie werden Urheberrechte behandelt? Und wo endet ein hilfreiches Werkzeug und wo beginnt der Ersatz menschlicher Arbeit?

Diese Fragen verschwinden nicht dadurch, dass eine Technologie beeindruckend funktioniert.

Andererseits ist es ebenso spannend zu beobachten, wie sehr solche Systeme die Einstiegshürden für kreative Arbeit verändern. Jemand muss kein Programmierer sein, um eine Idee für ein Spiel zu haben. Genauso wenig muss ein Autor automatisch zeichnen oder 3D-Modelle erstellen können.

Combos versteht sich hier als Werkzeug, das möglichst viele dieser technischen Hürden übernimmt.

Ob man diese Entwicklung großartig, bedenklich oder – vermutlich wie viele Menschen – gleichzeitig faszinierend und ein bisschen unheimlich findet, muss jeder für sich entscheiden.

Unser gamescom-Eindruck

Uns hat Combos auf der gamescom vor allem deshalb neugierig gemacht, weil die Plattform KI nicht nur als zusätzliches Feature irgendwo an ein bestehendes Produkt hängt. Die künstliche Intelligenz ist hier das eigentliche Werkzeug, mit dem aus einer beschriebenen Idee ein spielbarer Prototyp entstehen soll.

Und natürlich juckt es uns inzwischen in den Fingern.

Denn über Spiele schreiben ist schön und gut. Aber wenn uns eine KI schon verspricht, dass wir ihr einfach erklären können, was wir gerne spielen würden, dann müssen wir irgendwann herausfinden, was passiert, wenn wir sie tatsächlich darauf loslassen.

Vielleicht entsteht dabei ein kleines Meisterwerk.

Vielleicht erschaffen wir auch den digitalen Gegenwert eines brennenden Einkaufswagens, der einen Berg hinunterrollt.

Beides wäre vermutlich einen Artikel wert.

Transparenzhinweis: Wir haben Combos im Rahmen der gamescom 2026 kennengelernt. Dieser Artikel entstand unabhängig und ohne Bezahlung durch Converge AI.