Lofty Sky Entertainment gehört für mich mittlerweile zu jenen Studios, bei denen ich bei einem neuen Projekt automatisch genauer hinschaue. Nicht, weil jedes Spiel zwangsläufig denselben Weg geht – eher im Gegenteil. Was sich aber durch die bisherigen Produktionen zieht, ist die Liebe zu Details und der erkennbare Wille, Geschichten nicht einfach nur zu erzählen, sondern ihnen eine eigene visuelle und spielerische Identität zu geben.
Mit Hope in the City setzt das kanadische Studio diese Tradition fort. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Hope Song, die nach der Schule nach Hause kommt und dort eine ziemlich beunruhigende Situation vorfindet: Die Wohnung ist verwüstet und ihre Eltern sind verschwunden. Weil Antworten ausbleiben, beginnt Hope selbst nachzuforschen. Schauplatz ist die chinesische Metropole Shenyang, die mit ihren Straßen, Geschäften und dunkleren Ecken weit mehr sein soll als eine bloße Kulisse.
Eine Künstlerin statt einer Detektivin
Besonders interessant ist dabei, wie Lofty Sky das klassische Detektivspiel interpretiert. Hope ist keine ausgebildete Ermittlerin, sondern Künstlerin. Entsprechend beobachtet sie ihre Umgebung und hält Auffälligkeiten als Skizzen in ihrem Notizbuch fest. Aus einzelnen Beobachtungen entstehen Zusammenhänge und schließlich neue Erkenntnisse, mit denen die Handlung vorangetrieben wird.

Das passt hervorragend zu einem narrativen Mystery-Spiel. Statt einfach Gegenstände einzusammeln, bis irgendwo das nächste Symbol aufleuchtet, vermittelt Hope in the City zumindest den Eindruck, dass wir tatsächlich hinschauen und Zusammenhänge herstellen sollen.
Auch optisch besitzt das Spiel wieder einen hohen Wiedererkennungswert. Lofty Sky setzt auf einen stark stilisierten Look, der gerade bei Figuren, Licht und Architektur eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt. Das ist etwas, das ich bei den Produktionen des Studios schon seit Jahren schätze: Man merkt ihnen an, dass hier nicht einfach ein funktionierendes Spiel entstehen soll. Die Welten wirken liebevoll gestaltet und durchdacht, Details haben Bedeutung und die Präsentation dient der Geschichte.
Lofty Sky denkt ohnehin größer als nur in Spielen
Dabei wäre es eigentlich falsch, Lofty Sky ausschließlich als Spieleentwickler zu bezeichnen. Das Unternehmen aus Toronto produziert Filme, Dokumentationen, Serien, Games, VR-Erfahrungen, Animationen und Apps. Zum Portfolio gehören etwa die preisgekrönte Food- und Reise-Dokuserie Confucius Was a Foodie, die animierte Kinderserie Miaomiao sowie Filme wie Eternal Spring und Ask No Questions. Hinzu kommen verschiedene VR- und interaktive Produktionen.

Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Medien finde ich spannend. Geschichten enden bei Lofty Sky nicht unbedingt mit dem Abspann eines Spiels. Eternal Spring wurde beispielsweise zusätzlich durch Apps und eine VR-Produktion erweitert.
Noch deutlicher wird dieser Ansatz bei Sky of Tides. Neben dem narrativen Science-Fiction-Spiel entstand mit Sky of Tides: Atla eine fünfteilige animierte Miniserie mit jeweils rund neun Minuten langen Episoden. Sie erweitert das Universum um eine weitere Geschichte und zeigt ziemlich schön, dass Lofty Sky seine Welten nicht zwingend an ein einziges Medium bindet.
Auch Shuyan Saga gehört zu den früheren Beispielen dafür, wie das Studio unterschiedliche Erzählformen miteinander verbindet. Das 2017 veröffentlichte Spiel kombiniert Graphic Novel, chinesische Martial-Arts-Fantasy und spielbare 3D-Kämpfe.
Mein Eindruck von Hope in the City
Genau vor diesem Hintergrund funktioniert Hope in the City für mich ausgesprochen gut. Das Mystery-Szenario ist interessant, aber vor allem die Art, wie Hope ihre Umgebung wahrnimmt und daraus Erkenntnisse gewinnt, gibt dem Spiel eine eigene Persönlichkeit.

Und damit setzt sich für mich etwas fort, das ich bei Lofty Sky schon seit Jahren positiv bewerten kann: Die Projekte wirken selten beliebig. Ob Martial-Arts-Abenteuer, Science-Fiction, Dokumentation oder nun ein Mystery-Spiel in Shenyang – es steckt viel Liebe in den Welten und vor allem in den kleinen Details.
Hope in the City erfindet das narrative Adventure vielleicht nicht komplett neu. Aber es nimmt seine Geschichte und seine Figuren ernst, besitzt eine interessante Ermittlungsmechanik und hat diesen unverkennbaren Hang zu liebevoll gestalteten Details, den ich mittlerweile mit Lofty Sky verbinde.
Und ganz nebenbei macht es wieder Lust darauf, zu sehen, was dieses Studio als Nächstes ausprobiert.
Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurde uns Zugang zu Hope in the City zu Testzwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Bezahlung für die Berichterstattung erfolgte nicht.

