Asta ist zurück, doch der Neustart verlangt Geduld

Mehr als fünf Jahre sind vergangen, seit Asta, Yuno und die Magier des Clover-Königreichs zuletzt regulär über die heimischen Bildschirme flimmerten. Nun ist es endlich so weit: Black Clover kehrt zurück. Am 3. Oktober 2026 startet die zweite Staffel bei Crunchyroll – und wir hatten bereits vorab Gelegenheit, die erste neue Episode zu sehen.

Für mich ist das durchaus eine kleine Rückkehr zu alten Bekannten. Die erste Anime-Serie habe ich gerne verfolgt. Black Clover war vielleicht nie der komplizierteste Vertreter des Shōnen-Genres, doch gerade die Mischung aus Fantasy, Humor, großen Kämpfen und einer ganzen Horde sympathischer Figuren funktionierte über weite Strecken hervorragend.

Die neue Staffel knüpft daran ziemlich nahtlos an. Vielleicht sogar etwas zu nahtlos: Wer sich an die Ereignisse der ersten 170 Folgen nur noch dunkel erinnert, sollte sein Gedächtnis vor dem Start ein wenig auffrischen.

Vom Jungen ohne Magie zum Anwärter auf den Thron

Die Grundidee von Black Clover ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: In einer Welt, in der praktisch jeder Mensch über Magie verfügt, wird ausgerechnet Asta ohne jegliche magische Begabung geboren. Sein Ziehbruder und bester Freund Yuno bildet dazu den größtmöglichen Gegensatz. Er ist ein außergewöhnlich begabter Magier und erhält später sogar ein seltenes vierblättriges Grimoire.

Beide verfolgen trotzdem dasselbe Ziel: Sie wollen eines Tages König der Magier werden.

Was zunächst wie ein ziemlich aussichtsloser Traum Astas aussieht, verändert sich, als er ein geheimnisvolles fünfblättriges Grimoire erhält. Statt klassischer Magie bekommt er Zugriff auf Anti-Magie und damit ausgerechnet auf eine Kraft, mit der sich Zauber neutralisieren lassen.

Aus dem vermeintlich völlig Talentlosen wird damit ein Kämpfer, dessen größte Schwäche gleichzeitig seine größte Stärke ist.

Diese Konstellation gehört bis heute zu den interessantesten Ideen der Serie. Asta ist nicht der typische Held, der lediglich lernen muss, eine bereits vorhandene gewaltige Kraft zu kontrollieren. Er lebt in einer Gesellschaft, deren gesamtes Machtgefüge auf etwas basiert, das er überhaupt nicht besitzt.

Dazu kommt die soziale Komponente. Herkunft, Adel und magische Begabung entscheiden im Clover-Königreich darüber, welchen Platz jemand einnimmt. Asta muss sich seinen Respekt deshalb regelrecht erkämpfen.

Hinter Black Clover steckt Yūki Tabata

Erschaffen wurde Black Clover von Yūki Tabata. Der Mangaka hatte vor seinem großen Erfolg bereits mehrere Jahre in der Branche gearbeitet. Sein vorheriges größeres Projekt war Hungry Joker, eine stärker von Wissenschaft und Science-Fiction geprägte Geschichte, die allerdings keinen langfristigen Erfolg hatte.

Interessant ist, was Tabata später selbst über diese Zeit erzählte: Hungry Joker habe nicht wirklich zu ihm gepasst. Er wollte eigentlich Fantasy zeichnen. Freunde rieten ihm außerdem dazu, einen Protagonisten zu entwickeln, der stärker seiner eigenen Persönlichkeit entsprach. Daraus entstand schließlich der wesentlich energischere Asta.

Das erklärt rückblickend einiges. Asta ist laut, impulsiv, optimistisch und praktisch nicht kleinzukriegen. „Aufgeben“ gehört nicht zu seinem Wortschatz – selbst dann nicht, wenn eigentlich alles dafür spricht.

Tabata nennt außerdem Dragon Ball als einen wichtigen Grund dafür, warum er überhaupt Mangaka werden wollte. Seine Begeisterung für klassische Shōnen-Geschichten steckt entsprechend tief in Black Clover. Gleichzeitig wollte er bewusst eine Fantasy-Welt erschaffen. Das europäisch-mittelalterlich wirkende Setting entstand unter anderem aus seiner langjährigen Begeisterung für westlich geprägte Fantasy.

Der Manga startete im Februar 2015 im Weekly Shonen Jump. 2023 wechselte die Veröffentlichung zu Jump GIGA, wodurch Tabata deutlich mehr Zeit für die einzelnen Kapitel bekam.

Eine erste Staffel, die ziemlich groß wurde

Aus Tabatas Manga entstand schließlich bei Studio Pierrot die Anime-Adaption. Das Studio kennt man unter anderem durch große Produktionen wie Naruto und Bleach.

Black Clover startete im Oktober 2017 – und wer heute neu einsteigen möchte, hat einiges vor sich. Die erste TV-Serie brachte es bis März 2021 auf satte 170 Episoden.

In dieser Zeit entwickelte sich die zunächst recht überschaubare Geschichte um Asta und Yuno zu einem großen Fantasy-Epos. Die verschiedenen Magierorden rückten in den Mittelpunkt, allen voran natürlich Astas chaotische Truppe, der Schwarze Stier unter Captain Yami Sukehiro.

Gerade diese Gruppe trägt für mich einen großen Teil des Charmes der Serie. Black Clover funktioniert nicht nur wegen Asta und Yuno, sondern weil die Nebenfiguren mit der Zeit immer wichtiger werden. Noelle, Magna, Luck, Finral, Vanessa und die anderen Mitglieder des Schwarzen Stiers sind eben nicht nur Statisten, die darauf warten, dass der Held den nächsten Gegner erledigt.

Über 170 Folgen wuchs gleichzeitig die Dimension der Bedrohungen. Aus Turnieren, Rivalitäten und Konflikten zwischen Magierorden wurden immer größere Auseinandersetzungen, bis Dämonen und schließlich das Spade-Königreich auf den Plan traten.

Und genau an einem ziemlich ungünstigen Punkt war im März 2021 erst einmal Schluss.

Fünf Jahre Pause – und trotzdem ging Black Clover weiter

Ganz verschwunden war Black Clover allerdings nie.

2023 erschien mit Black Clover: Sword of the Wizard King ein eigener Anime-Film. Der erzählte eine zusätzliche Geschichte rund um frühere Könige der Magier und bot Fans zumindest vorübergehend neues animiertes Material.

Der Manga lief währenddessen weiter und lieferte den Stoff, auf den Anime-Zuschauer nun lange warten mussten.

Bereits 2025 wurde schließlich die Rückkehr des Anime angekündigt. Studio Pierrot bleibt an Bord, allerdings übernimmt Ayataka Tanemura für die zweite Staffel die Regie. Ein Unbekannter ist er keineswegs: Tanemura inszenierte bereits den späteren Teil der ursprünglichen Anime-Serie und führte auch bei Sword of the Wizard King Regie.

Damit befindet sich Black Clover zumindest produktionstechnisch weiterhin in vertrauten Händen.

Und plötzlich sind wir wieder mittendrin

Das merkt man auch der ersten Episode der zweiten Staffel an.

Statt nach mehr als fünf Jahren Pause einen behutsamen Neustart zu versuchen, geht es relativ schnell wieder zur Sache. Natürlich hilft die Folge dabei, einige Erinnerungen zurückzuholen, aber Black Clover behandelt seine Zuschauer grundsätzlich so, als seien sie nie wirklich weg gewesen.

Das ist einerseits angenehm. Wir bekommen keine halbe Stunde Rückblenden und müssen nicht noch einmal erklärt bekommen, wer Asta, Yuno oder Yami sind.

Andererseits sollte man zumindest ungefähr wissen, was am Ende der bisherigen Serie passiert ist.

Das Spade-Königreich und die Dunkle Triade spielen weiterhin eine entscheidende Rolle. Yami Sukehiro und William Vangeance befinden sich in der Gewalt des Gegners, während sich die Magier des Clover-Königreichs auf die bevorstehende Auseinandersetzung vorbereiten.

Asta arbeitet währenddessen gemeinsam mit Nacht und Liebe daran, seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Und genau hier setzt auch ein Element ein, mit dem ich in der Auftaktfolge nicht ganz glücklich war.

Asta muss es schaffen – nur schafft er es eben nicht

Dass Asta an seine Grenzen stößt, gehört zu Black Clover wie das fünfblättrige Grimoire.

Im Grunde basiert seine gesamte Geschichte darauf. Er ist der Junge ohne Magie, der in einer Welt voller Magier ausgerechnet König der Magier werden möchte. Dass ihm ständig jemand erklärt, etwas sei unmöglich, ist gewissermaßen der Treibstoff der Figur.

Auch die erste Folge der neuen Staffel arbeitet wieder mit diesem Prinzip.

Asta muss etwas beherrschen. Er weiß, dass er es beherrschen muss. Wir wissen, dass er es beherrschen muss. Die Geschichte macht sehr deutlich, wie wichtig es ist.

Nur funktioniert es zunächst nicht.

Natürlich erzeugt das Spannung und natürlich gehört genau diese Art von Hindernis zum klassischen Aufbau einer Shōnen-Geschichte. Würde Asta jede neue Herausforderung sofort meistern, wäre die Serie vermutlich ziemlich schnell vorbei.

Trotzdem hat mich dieser Teil der Episode weniger gepackt als der Rest. Gerade nach einer derart langen Pause hätte ich mir beim Wiedersehen vielleicht etwas weniger von diesem bekannten „Ich muss jetzt über meine Grenzen hinaus“-Mechanismus gewünscht.

Zumal Black Clover inzwischen genügend andere Figuren, Konflikte und offene Handlungsstränge besitzt, um Spannung zu erzeugen.

Das macht diesen Teil keineswegs schlecht. Er fühlte sich für mich lediglich ein wenig zu vertraut an.

Schön, wieder hier zu sein

Denn abseits davon hat mir die Rückkehr durchaus gefallen.

Black Clover fühlt sich weiterhin wie Black Clover an – und das ist nach einer Pause von mehr als fünf Jahren wahrscheinlich eines der größten Komplimente, das man einer Fortsetzung machen kann.

Die Welt ist noch dieselbe, die Figuren funktionieren weiterhin und die bevorstehende Auseinandersetzung mit dem Spade-Königreich bietet mehr als genug Material für eine spannende Staffel. Dazu kommt, dass Studio Pierrot sichtbar weiß, dass man einen Anime dieser Größenordnung nicht einfach irgendwie zurückbringen kann.

Besonders interessant dürfte werden, wie sich die veränderten Produktionsbedingungen langfristig bemerkbar machen. Die ursprüngliche Serie musste über Jahre praktisch ununterbrochen neue Folgen liefern. Nun kehrt Black Clover unter anderen Voraussetzungen zurück. Schon die Auftaktepisode macht jedenfalls einen technisch ordentlichen Eindruck.

Vor allem aber funktioniert das Wiedersehen emotional.

Wer Asta und seine Freunde über 170 Folgen begleitet hat, braucht nicht lange, um wieder in dieser Welt anzukommen. Nach wenigen Minuten fühlt es sich erstaunlich normal an, Yuno, Nacht und natürlich Asta wiederzusehen.

Und ja: Asta ist noch immer Asta.

Das kann gelegentlich anstrengend sein. Gleichzeitig wäre Black Clover ohne diesen unerschütterlichen Dickkopf vermutlich auch nicht Black Clover.

Fazit

Die erste Folge von Black Clover Staffel 2 erfindet die Serie nicht neu – und das muss sie auch gar nicht.

Nach mehr als fünf Jahren Pause bekommen Fans eine Fortsetzung, die sich angenehm vertraut anfühlt und ziemlich schnell wieder dort weitermacht, wo die Geschichte 2021 unterbrochen wurde. Wer die erste Staffel mochte, dürfte sich deshalb schnell wieder heimisch fühlen.

Mir hat der Auftakt insgesamt gefallen. Lediglich der Spannungsbogen rund um Astas aktuelle Herausforderung konnte mich nicht vollständig überzeugen. Dass er etwas unbedingt schaffen muss, es aber zunächst einfach nicht hinbekommt, gehört zwar eindeutig zur DNA der Figur und erfüllt erzählerisch seinen Zweck. Nach der langen Wartezeit hätte ich mir für den Einstieg trotzdem etwas weniger von diesem bekannten Muster gewünscht.

Das ändert aber nichts daran, dass ich gespannt bin, wie es weitergeht. Das Spade-Königreich, die Dunkle Triade, Astas Verbindung zu Liebe und die bevorstehenden Kämpfe liefern reichlich Stoff.

Nach fünf Jahren heißt es also endlich wieder: Grenzen überschreiten.

Nur vielleicht nicht jedes Mal auf exakt dieselbe Weise.

Wertung: 7 von 10 Sofakissen

Transparenzhinweis

Die erste Episode von Black Clover – Staffel 2 wurde uns vor der offiziellen Veröffentlichung zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

Black Clover – Staffel 2 startet am 3. Oktober 2026 bei Crunchyroll.