Zwischen Videotheken-Nostalgie und kompromissloser Action: BLACKWOOD verbindet den Alltag eines Ladenbesitzers mit dem gefährlichen Doppelleben eines Auftragskillers. Eine ungewöhnliche Idee, die allerdings nicht in allen Bereichen gleichermaßen überzeugt.
Es gab einmal eine Zeit, in der man am Freitagabend nicht einfach Netflix, Disney+ oder einen anderen Streamingdienst einschaltete, sondern zur nächsten Videothek fuhr. Dort standen Hunderte Filme in den Regalen, man stöberte zwischen Actionklassikern, Horrorstreifen und Komödien und überlegte, welche VHS-Kassette oder später DVD das Wochenende begleiten sollte. Heute sind solche Läden weitgehend verschwunden und gehören für viele Menschen zur nostalgischen Erinnerung an eine andere Medienwelt.
Genau dieses Gefühl greift BLACKWOOD auf. Allerdings mit einer ziemlich ungewöhnlichen Wendung: Unser Protagonist betreibt tagsüber einen kleinen DVD-Laden in Brooklyn und verdient sich nachts als Auftragskiller seinen Lebensunterhalt.
Das klingt nach einer Mischung aus Videotheken-Simulation und John-Wick-Action. Und tatsächlich ist es gerade dieser Kontrast, der BLACKWOOD seinen besonderen Reiz verleiht.
Wir haben uns das Spiel von M7 Productions und Attrito angesehen und dabei festgestellt, dass die ungewöhnliche Kombination durchaus funktioniert. Auch wenn wir auf das regelmäßige Einsortieren der DVDs irgendwann gerne verzichtet hätten.
Anton Blackwood – ein Mann mit zwei Gesichtern
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Anton Blackwood, ein Mann, dessen Alltag auf den ersten Blick kaum außergewöhnlich erscheint. Er betreibt eine kleine Videothek in Brooklyn, kümmert sich um seine Kunden und versucht, einen halbwegs normalen Tagesablauf aufrechtzuerhalten.
Der Laden ist dabei mehr als nur eine Kulisse. Er repräsentiert jenen Teil von Antons Leben, in dem er nicht ständig mit Gewalt, Verfolgungsjagden und tödlichen Entscheidungen konfrontiert wird.

Eine Mitarbeiterin, die ebenfalls im Geschäft arbeitet, erkennt eine sanftere Seite an ihm, die er gegenüber anderen Menschen nur selten zeigt. Damit deutet sich an, dass hinter dem scheinbar abgebrühten Auftragskiller durchaus ein Mensch mit Gefühlen und inneren Konflikten steckt.
Doch sobald die Rollläden heruntergelassen werden, beginnt Antons zweites Leben.
Im Keller des Geschäfts verbirgt sich mehr als nur ein Lagerraum voller alter Filme. Hier beginnt die Welt eines Mannes, der sein Geld mit tödlichen Aufträgen verdient und sich dabei offenbar gerne an den Helden seiner bevorzugten Kriminalfilme orientiert.
Die Idee eines Auftragskillers, der seine eigene Geschichte wie einen Kinofilm betrachtet, passt hervorragend zum Grundkonzept.
Anton sieht sich selbst als Hauptfigur seines Lebens. Doch im Hintergrund ziehen andere Menschen ihre Fäden, und nicht immer hat er die Kontrolle darüber, wie sich seine Geschichte entwickelt.
Die Videothek als ungewöhnlicher Arbeitsplatz
Besonders neugierig waren wir natürlich auf die Videothek. Schließlich ist ein DVD-Laden als zentraler Bestandteil eines Actionspiels alles andere als gewöhnlich.
Anstatt uns ausschließlich von einem Auftrag zum nächsten zu schicken, lässt BLACKWOOD uns auch an den alltäglichen Aufgaben des Protagonisten teilhaben.
Dazu gehört unter anderem, die DVDs in die Regale einzuräumen und sich um den Laden zu kümmern.
Beim ersten Mal fanden wir das tatsächlich ziemlich cool.
Es hat durchaus seinen Reiz, zwischen den Filmregalen zu stehen und sich um ein Geschäft zu kümmern, das für viele Spieler vermutlich längst ein Stück Vergangenheit darstellt. Wer selbst noch regelmäßig Videotheken besucht hat, dürfte sich bei diesem Anblick an so manchen gemütlichen Filmabend erinnern.
Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche des Konzepts.
Was beim ersten Durchgang noch originell und unterhaltsam wirkt, verliert durch die Wiederholung schnell seinen Reiz. Immer wieder DVDs selbst einzuräumen, empfanden wir zunehmend als lästig.
Natürlich gehört diese Tätigkeit zum Alltag eines Videothekenbesitzers, und grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass die Entwickler auch die unspektakulären Seiten von Antons Leben darstellen möchten.
Allerdings muss eine Spielmechanik nicht zwangsläufig Spaß machen, nur weil sie gut zum Szenario passt.
Gerade wenn man eigentlich wieder in die Action einsteigen möchte, können sich solche Aufgaben wie eine unnötige Unterbrechung anfühlen.
Hier hätten wir uns etwas mehr Abwechslung oder zumindest die Möglichkeit gewünscht, bestimmte Routinearbeiten zu vereinfachen.
Die Videothek bleibt trotzdem eine sympathische Idee, die BLACKWOOD deutlich von vielen anderen Actionspielen unterscheidet.
Wenn aus dem Ladenbesitzer ein Killer wird
Sobald Anton seinen Arbeitsplatz hinter sich lässt, verändert sich der Charakter des Spiels erheblich.
Dann stehen nicht mehr Filmregale und Kunden im Mittelpunkt, sondern brutale Auseinandersetzungen, Schusswechsel und die gefährliche Unterwelt der Großstadt.
BLACKWOOD setzt dabei auf eine Inszenierung, die deutlich von modernen Actionfilmen beeinflusst ist.
Die Kämpfe sollen nicht einfach nur aus gewöhnlichen Schusswechseln bestehen. Auch Nahkampfangriffe, spektakuläre Ausschaltungen und die Nutzung der Umgebung spielen eine Rolle.
Gegner können mit direkten Angriffen überwältigt werden, während die Umgebung zusätzliche Möglichkeiten bietet, Auseinandersetzungen auf besonders wirkungsvolle Weise zu beenden.
Das erinnert natürlich an Filme wie John Wick, in denen Kämpfe weniger wie gewöhnliche Prügeleien und vielmehr wie aufwendig choreografierte Actionsequenzen wirken.
Auch Verfolgungsjagden zu Fuß und mit Fahrzeugen gehören zum Konzept.
Damit bietet BLACKWOOD einen deutlichen Gegenpol zu den ruhigen Momenten im DVD-Geschäft.
Und genau diese actionreichen Abschnitte haben uns durchaus Spaß gemacht.
Das Geballere ist unterhaltsam, die grundsätzliche Idee funktioniert und die Mischung aus verschiedenen Kampfmöglichkeiten sorgt für genügend Abwechslung, um uns bei Laune zu halten.
Allerdings würden wir BLACKWOOD nicht unbedingt als revolutionäres Actionspiel bezeichnen. Vielmehr bedient es sich bekannter Genre-Elemente und verpackt diese in ein ungewöhnliches Gesamtkonzept.
Das ist keineswegs schlecht. Schließlich muss nicht jedes Spiel das Genre neu erfinden, um unterhaltsam zu sein.
Manchmal reicht es vollkommen aus, wenn die Action ordentlich funktioniert und die Inszenierung Spaß macht.
Zwischen Alltag und Gewalt
Interessant ist vor allem, wie unterschiedlich die beiden Seiten von Antons Leben ausfallen.
Tagsüber bewegt er sich in einer vergleichsweise normalen Umgebung. Er arbeitet, kümmert sich um seinen Laden und begegnet Menschen, die ihn nicht ausschließlich als gefährlichen Killer wahrnehmen.
Nachts hingegen wird er Teil einer Welt, in der Gewalt zum Alltag gehört.
Dieser Gegensatz erinnert an zahlreiche Kriminalfilme und Serien, in denen die Hauptfiguren versuchen, ein gewöhnliches Privatleben mit ihrer kriminellen Existenz zu vereinbaren.
Ein besonders naheliegender Vergleich ist natürlich die Serie Dexter, deren Protagonist ebenfalls ein gefährliches Doppelleben führt. Während Dexter allerdings als forensischer Spezialist arbeitet, versteckt sich Anton gewissermaßen hinter den Regalen seiner Videothek.
Auch die Filmwelt selbst spielt bei BLACKWOOD eine wichtige Rolle.
Anton orientiert sich an seinen bevorzugten Kriminalthrillern und betrachtet sein eigenes Leben teilweise durch die Brille eines Filmhelden.
Damit stellt sich die interessante Frage, wie viel von seiner Persönlichkeit tatsächlich authentisch ist und wie viel lediglich einer Rolle entspricht, die er sich selbst geschaffen hat.
Die Entwickler wollen außerdem Entscheidungen und deren Konsequenzen in den Mittelpunkt rücken. Nicht jede Begegnung und nicht jeder Konflikt soll zwangsläufig ohne Folgen bleiben.
Damit besitzt BLACKWOOD zumindest erzählerisch das Potenzial, mehr zu sein als ein gewöhnliches Actionspiel mit ungewöhnlichem Arbeitsplatz.
Brooklyn als Schauplatz
Auch die Wahl des Schauplatzes passt gut zur Geschichte.
Brooklyn gehört zu den bekanntesten Stadtteilen New Yorks und ist seit Jahrzehnten Schauplatz zahlreicher Filme, Serien und Videospiele.
Das Stadtbild mit seinen Wohnhäusern, Geschäften und Straßenzügen bietet eine passende Kulisse für eine Geschichte, die sich zwischen gewöhnlichem Großstadtalltag und organisiertem Verbrechen bewegt.
Besonders gut funktioniert dabei der Kontrast zwischen Antons kleinem Laden und der gefährlichen Welt, in die er nach Feierabend eintaucht.
Anders als bei vielen Actionspielen steht damit nicht ausschließlich ein militärischer Konflikt oder eine globale Bedrohung im Mittelpunkt. BLACKWOOD erzählt vielmehr von einem einzelnen Mann, der versucht, zwei vollkommen unterschiedliche Existenzen miteinander zu vereinbaren.
Das macht den Protagonisten zumindest vom Grundgedanken her interessanter als einen weiteren austauschbaren Actionhelden.
Eine gute Idee braucht auch spielerische Abwechslung
So sympathisch wir das Konzept finden, so deutlich zeigt sich auch, dass eine ungewöhnliche Idee allein noch kein herausragendes Spiel garantiert.
Der DVD-Laden ist ein schönes Alleinstellungsmerkmal. Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass die damit verbundenen Aufgaben langfristig etwas abwechslungsreicher ausfallen.
Denn zwischen einer bewusst entschleunigten Spielmechanik und einer Tätigkeit, die sich irgendwann wie Arbeit anfühlt, liegt ein schmaler Grat.
Gerade das wiederholte Einräumen der DVDs hat diesen Punkt für uns überschritten.
Auf der anderen Seite stehen die Actionsequenzen, die zwar keine vollkommen neuen Maßstäbe setzen, aber ordentlich unterhalten.
Damit ergibt sich eine interessante Mischung aus zwei Spielkonzepten, die auf den ersten Blick eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen.
BLACKWOOD versucht, den Spieler sowohl für das unspektakuläre Alltagsleben als auch für die spektakulären Gewaltausbrüche seines Protagonisten zu begeistern.
Das gelingt nicht immer gleichermaßen gut, sorgt aber immerhin dafür, dass das Spiel eine eigene Identität besitzt.
Unser Fazit – ein Killer mit einem ungewöhnlichen Nebenjob
BLACKWOOD ist eines jener Spiele, bei denen uns zunächst weniger die eigentliche Action als vielmehr die ungewöhnliche Grundidee neugierig gemacht hat.
Ein Auftragskiller, der tagsüber eine Videothek betreibt, ist schließlich kein alltägliches Szenario.
Die Mischung aus nostalgischem DVD-Laden, Großstadtkrimi und brutalen Actionsequenzen besitzt durchaus Charme.
Besonders der Kontrast zwischen Antons beiden Leben macht das Spiel interessant. Während wir uns im Geschäft um vergleichsweise banale Aufgaben kümmern, warten außerhalb der Ladenöffnungszeiten deutlich gefährlichere Herausforderungen.
Die Action hat uns insgesamt gut unterhalten. Das Geballere macht Spaß und passt zur bewusst filmischen Inszenierung.
Weniger begeistert waren wir dagegen von den sich wiederholenden Tätigkeiten im DVD-Laden. Die Regale selbst mit DVDs zu bestücken, fanden wir beim ersten Mal noch ziemlich cool. Mit der Zeit wurde daraus allerdings eher eine lästige Pflicht als ein unterhaltsamer Bestandteil des Spiels.
Trotzdem bleibt BLACKWOOD ein sympathisches Action-Abenteuer mit einer originellen Idee und genügend unterhaltsamen Momenten.
Wer gerne Actionspiele mit ungewöhnlichen Hauptfiguren spielt und eine gewisse Vorliebe für klassische Videotheken und Kriminalfilme besitzt, sollte BLACKWOOD im Auge behalten.
Für uns reicht es insgesamt zu 7 von 10 Sofakissen.
Unsere Wertung: 7/10 Sofakissen
Spielinformationen
- Titel: BLACKWOOD
- Entwickler: M7 Productions, Attrito
- Publisher: Attrito, M7 Productions
- PR / Promotion: Mark Allen
- Genre: Action-Adventure, Third-Person-Action
- Setting: Brooklyn, New York
Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurde uns ein kostenfreier Zugang zu BLACKWOOD für redaktionelle Zwecke zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung. Unsere Meinung basiert auf unseren eigenen Spieleindrücken.

