Wenn die Schatten der Vergangenheit lebendig werden

Early-Access-Eindruck: Eine düstere Reise in die Niederlande des 17. Jahrhunderts

Es gibt historische Epochen, die in Videospielen immer wieder auftauchen. Das Mittelalter, die Wikingerzeit, das antike Rom oder das feudale Japan gehören zweifellos dazu. Andere Abschnitte der Geschichte bleiben dagegen erstaunlich häufig unbeachtet. Das Amsterdam des Jahres 1666 ist einer davon. Genau hier setzt 1666: Amsterdam an und entführt uns in eine Welt voller Geheimnisse, Hexerei und übernatürlicher Bedrohungen.

Seit dem 25. August 2026 befindet sich das Action-Adventure von Panache Digital Games im Early Access. Wir haben uns bereits in die düsteren Straßen der niederländischen Metropole begeben und einen ersten Eindruck von dem ungewöhnlichen Abenteuer gewonnen.

Eines können wir dabei schon vorwegnehmen: Besonders das Setting hat es uns angetan. Denn eine derart finstere Interpretation einer ohnehin selten genutzten historischen Epoche bekommt man nicht alle Tage zu sehen.

Amsterdam im 17. Jahrhundert – eine faszinierende Kulisse

Wer sich mit der europäischen Geschichte beschäftigt, weiß, dass die Niederlande im 17. Jahrhundert eine bemerkenswerte Entwicklung durchliefen. Amsterdam entwickelte sich zu einem der wichtigsten Handelszentren Europas. Kaufleute, Seefahrer, Künstler und Wissenschaftler prägten eine Stadt, die durch ihren internationalen Handel zu beträchtlichem Wohlstand gelangte.

Es war das sogenannte Goldene Zeitalter der Niederlande, eine Zeit wirtschaftlicher Blüte, kultureller Leistungen und großer gesellschaftlicher Gegensätze. Während Handelshäuser gewaltige Vermögen anhäuften, lebten andere Menschen unter deutlich bescheideneren Bedingungen. Auch die Schattenseiten des Wohlstands, darunter Kolonialismus und Sklavenhandel, gehören zur Geschichte dieser Epoche.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Für ein Videospiel bietet diese Zeit eine außergewöhnlich interessante Kulisse. Enge Gassen, Grachten, historische Gebäude und eine Gesellschaft zwischen Reichtum, Aberglauben und wissenschaftlichem Fortschritt eröffnen zahlreiche erzählerische Möglichkeiten.

1666: Amsterdam macht daraus allerdings keine klassische historische Simulation. Stattdessen vermischen die Entwickler reale historische Einflüsse mit Dark Fantasy und übernatürlichem Horror. Und gerade diese Mischung funktioniert atmosphärisch ausgesprochen gut.

Die Vorstellung, durch ein historisches Amsterdam zu streifen, während hinter scheinbar gewöhnlichen Fassaden dunkle Mächte lauern, besitzt einen ganz eigenen Reiz. Das Spiel vermittelt eine bedrohliche Grundstimmung, die uns persönlich besonders gefallen hat.

Hexerei, Dämonen und ein jahrhundertealtes Geheimnis

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Noa, die sogenannte Collector beziehungsweise Eintreiberin. Sie gehört zu den Zaindari, deren Aufgabe darin besteht, das Gleichgewicht zwischen der menschlichen Welt und übernatürlichen Kräften zu bewahren.

Denn unter den Menschen verbergen sich dämonische Wesen, die als Originals beziehungsweise Ursprüngliche bezeichnet werden. Sie erscheinen äußerlich menschlich, tragen jedoch ein gefährliches Geheimnis in sich.

Noa verfügt über magische Fähigkeiten, mit denen sie diese Wesen aufspüren und ihnen schließlich entgegentreten kann.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Dabei spielt der Wechsel zwischen Erkundung, Untersuchung und Konfrontation eine wichtige Rolle. Während am Tag Hinweise gesammelt und mögliche Ziele untersucht werden, kommt es im Rahmen des sogenannten Esbats zur Auseinandersetzung mit den dämonischen Kräften.

Die Geschichte beschränkt sich allerdings nicht ausschließlich auf das Jahr 1666. Auch 1999 und die Gegenwart spielen eine Rolle. Über mehrere Jahrhunderte hinweg entfaltet sich ein Geheimnis, dessen einzelne Bestandteile nach und nach zusammengeführt werden.

Damit verbindet das Spiel historische Schauplätze mit einer übergreifenden Fantasy-Handlung.
Gerade dieser Ansatz ist interessant, weil er den Entwicklern die Möglichkeit gibt, unterschiedliche Zeiten und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander zu verknüpfen, ohne sich ausschließlich an historische Tatsachen halten zu müssen.

Zwischen Ermittlungen und übernatürlicher Action

Spielerisch handelt es sich bei 1666: Amsterdam um ein Action-Adventure aus der Third-Person-Perspektive. Die Entwickler setzen nicht ausschließlich auf Kämpfe, sondern möchten Erkundung, Ermittlungen und überlegte Vorgehensweisen miteinander verbinden.

Noa muss ihre Ziele zunächst ausfindig machen, Informationen sammeln und die richtigen Entscheidungen treffen. Die magischen Fähigkeiten eröffnen dabei verschiedene Möglichkeiten, sich einer Situation zu nähern.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Ein interessanter Bestandteil ist außerdem ihr Begleiter Aaron, der in einem Katzenkörper gefangen ist. Die tierische Perspektive ermöglicht andere Wege bei der Erkundung und bringt eine zusätzliche spielerische Komponente ins Geschehen.

Das Konzept erinnert in einzelnen Punkten an Spiele, bei denen die Vorbereitung ebenso wichtig ist wie die eigentliche Konfrontation. Wer seine Umgebung aufmerksam untersucht und die vorhandenen Möglichkeiten nutzt, soll daraus Vorteile ziehen können.

Die übernatürlichen Fähigkeiten sorgen wiederum dafür, dass 1666: Amsterdam trotz seines historischen Hintergrunds nicht wie ein gewöhnliches Schleich- oder Ermittlungsabenteuer wirkt.
Gerade diese Kombination aus historischen Schauplätzen und Fantasy-Elementen hebt den Titel von vielen anderen Genrevertretern ab.

Eine lange Reise bis zur Veröffentlichung

Hinter 1666: Amsterdam steckt außerdem eine bemerkenswerte Entwicklungsgeschichte.

Eine der wichtigsten Personen hinter dem Projekt ist Patrice Désilets, der bereits als Creative Director an Prince of Persia: The Sands of Time und den frühen Assassin’s-Creed-Spielen beteiligt war.

Die ursprünglichen Ideen zu 1666: Amsterdam reichen bis in die frühen 2010er-Jahre zurück. Das Projekt sollte zunächst bei THQ Montréal entstehen, geriet nach der Übernahme des Studios durch Ubisoft jedoch in Schwierigkeiten.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Désilets verließ Ubisoft unter konfliktreichen Umständen und musste anschließend um die Rechte an seinem Projekt kämpfen. Erst Jahre später konnte er die Entwicklung seiner Idee wieder selbst in die Hand nehmen.

Mit Panache Digital Games gründete er ein unabhängiges Entwicklerstudio in Montréal, das 2019 mit Ancestors: The Humankind Odyssey auf sich aufmerksam machte.

In diesem ungewöhnlichen Survival-Abenteuer beschäftigten sich die Entwickler mit der Evolution der Menschheit. Statt klassischer Action standen Erkundung, Überleben und die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten im Vordergrund.

Auch 1666: Amsterdam scheint nun wieder den Versuch zu unternehmen, bekannte Spielmechaniken mit einem eher ungewöhnlichen Konzept zu verbinden.
Dass ein Projekt nach einer derart langen und komplizierten Vorgeschichte überhaupt noch erscheint, ist keineswegs selbstverständlich.

Warum uns das Setting besonders begeistert

Wir beschäftigen uns regelmäßig mit Spielen aus den unterschiedlichsten Genres und historischen Epochen. Trotzdem fällt auf, wie selten gerade die Geschichte Mitteleuropas beziehungsweise der Niederlande im 17. Jahrhundert als Schauplatz für größere Action-Adventures genutzt wird.

Natürlich existieren zahlreiche historische Strategiespiele, in denen europäische Staaten und Handelsmächte dieser Zeit eine Rolle spielen. Doch es macht einen erheblichen Unterschied, ob man eine Nation auf einer strategischen Karte verwaltet oder selbst durch die Straßen einer historischen Stadt streift.

Genau darin liegt für uns einer der größten Reize von 1666: Amsterdam.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Die düstere Atmosphäre passt hervorragend zum gewählten Schauplatz. Gleichzeitig vermittelt das Spiel durch seine ungewöhnliche Kombination aus Geschichte und Fantasy ein Gefühl, das sich nur schwer mit den üblichen mittelalterlichen Abenteuern vergleichen lässt.

Uns hat besonders gefallen, dass Amsterdam nicht einfach als austauschbare Kulisse für ein weiteres Fantasy-Abenteuer dient. Vielmehr ist die historische Stadt ein wesentlicher Bestandteil der Identität des Spiels.

Die übernatürlichen Elemente verstärken dabei die geheimnisvolle Stimmung, statt den historischen Hintergrund vollständig zu verdrängen.

Natürlich wäre es ebenso interessant, einmal ein großes Rollenspiel zu erleben, das sich ohne Magie und Dämonen ausschließlich mit der europäischen Gesellschaft dieser Epoche beschäftigt. Aber gerade die Mischung aus historischen Einflüssen und dunkler Fantasy besitzt ihren eigenen Charme.

Und wenn ein Spiel es schafft, unser Interesse an einer selten behandelten Epoche zu wecken, hat es bereits etwas richtig gemacht.

Early Access – ein Abenteuer, das noch wachsen soll

Wichtig ist allerdings, den aktuellen Entwicklungsstand von 1666: Amsterdam richtig einzuordnen.

Das Spiel befindet sich seit dem 25. August 2026 im Early Access und ist damit ausdrücklich noch keine abgeschlossene Produktion.

Die Entwickler haben sich bewusst für diesen Weg entschieden, um Rückmeldungen aus der Community in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Zum Start umfasst die Early-Access-Fassung den ersten Abschnitt der Kampagne. Für diesen geben die Entwickler eine ungefähre Spielzeit von 15 Stunden an.

In den kommenden Monaten sollen zusätzliche Inhalte folgen. Dazu gehören weitere Stadtviertel, neue Handlungsabschnitte und zusätzliche übernatürliche Gegner.

Auch technische Verbesserungen, Fehlerbehebungen und Anpassungen am Gameplay gehören zu den erklärten Zielen.

Panache Digital Games rechnet derzeit mit einer Early-Access-Phase von ungefähr einem Jahr, wobei dieser Zeitraum ausdrücklich nicht als verbindlicher Veröffentlichungstermin für die fertige Version verstanden werden sollte.

Gerade bei einem Spiel, das verschiedene Gameplay-Systeme miteinander verbindet, dürfte das Feedback der Spieler eine wichtige Rolle spielen.

Die aktuelle Fassung ist deshalb eher als Einblick in eine noch wachsende Spielwelt zu verstehen und nicht als Grundlage für ein endgültiges Urteil über das fertige Produkt.

Unser bisheriger Eindruck

1666: Amsterdam gehört für uns schon aufgrund seiner ungewöhnlichen Schauplatzwahl zu den interessanteren Veröffentlichungen des Jahres.

Das historische Amsterdam, die finstere Atmosphäre und die Verbindung aus Ermittlungen, Hexerei und übernatürlichen Bedrohungen ergeben eine reizvolle Mischung.

Besonders die düstere Inszenierung hat uns gefallen. Dazu kommt die Möglichkeit, in eine Epoche einzutauchen, die in dieser Form nur selten als Schauplatz eines Action-Adventures dient.

1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games
1666: Amsterdam. Bild Panache Digital Games

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass das Spiel noch mitten in seiner Entwicklung steckt. Wie gut die verschiedenen Mechaniken langfristig ineinandergreifen und wie umfangreich die fertige Spielwelt ausfallen wird, lässt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt abschließend beurteilen.

Für uns steht deshalb zunächst die Atmosphäre im Vordergrund. Und die macht bereits Lust darauf, mehr von diesem geheimnisvollen Amsterdam zu entdecken.

Wir werden die weitere Entwicklung von 1666: Amsterdam auf jeden Fall mit Interesse verfolgen. Eine endgültige Bewertung behalten wir uns für die fertige Version vor.

Spielinformationen

  • Titel: 1666: Amsterdam
  • Entwickler: Panache Digital Games
  • Publisher: Panache Digital Games
  • PR / Promotion: Gambit Digital
  • Genre: Dark-Fantasy-Action-Adventure
  • Plattform: PC (Steam, Epic Games Store)
  • Early-Access-Start: 25. August 2026
  • Status: Early Access

Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurde uns ein kostenfreier Early-Access-Key von 1666: Amsterdam zur Verfügung gestellt. Daraus ergeben sich keine Verpflichtungen hinsichtlich unserer redaktionellen Berichterstattung. Da sich das Spiel noch in der Entwicklung befindet und der Publisher zum aktuellen Zeitpunkt ausdrücklich keine bewerteten Reviews wünscht, verzichten wir auf eine numerische Wertung. Unsere Eindrücke beziehen sich auf die Early-Access-Version und stellen keine abschließende Bewertung des fertigen Spiels dar.