Einfach mal wachsen lassen

Es gibt Spiele, die verlangen vom ersten Moment an volle Aufmerksamkeit. Ressourcen müssen möglichst effizient verteilt, Produktionsketten optimiert und jede Entscheidung sorgfältig abgewogen werden. Und dann gibt es Verde. Der kleine Cozy-City-Builder von Antimeta Studio verfolgt einen angenehm anderen Ansatz: Hier darf gebaut, ausprobiert und vor allem entspannt werden.

Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Seedlets, kleine samenartige Wesen, für die wir in der Dewdrop Valley eine neue Heimat errichten. Häuser werden gebaut, Einrichtungen entstehen und mit allerlei Dekorationen verwandeln wir die zunächst überschaubaren Flächen nach und nach in kleine, lebendige Siedlungen.

Verde. Pic Antimeta Studio
Verde. Pic Antimeta Studio

Das klingt zunächst nach klassischer Aufbaustrategie – und grundsätzlich steckt davon natürlich einiges in Verde. Allerdings geht es dem Spiel deutlich weniger darum, aus jedem Quadratmeter den maximalen Ertrag herauszuquetschen. Stattdessen steht die Freude daran im Vordergrund, einer kleinen Stadt beim Wachsen zuzusehen.

Kleine Wesen, große Niedlichkeit

Und dabei hilft vor allem eines: Verde ist einfach niedlich.

Die Seedlets wuseln durch die Siedlung, neue Gebäude kommen hinzu und aus einer zunächst eher überschaubaren Ansammlung entwickelt sich langsam eine kleine Gemeinschaft. Dabei besitzt Verde genau jene gemütliche Präsentation, die man von einem Cozy Game erwartet. Die handgezeichnete Optik wirkt freundlich und verspielt, ohne den Bildschirm mit Details zu überladen.

Verde. Pic Antimeta Studio
Verde. Pic Antimeta Studio

Das passt hervorragend zum eigentlichen Spielprinzip. Wir errichten Wohnhäuser für unsere Seedlets und kümmern uns anschließend um deren Bedürfnisse. Eine funktionierende Wasserversorgung gehört ebenso dazu wie weitere Einrichtungen, mit denen wir unsere Bewohner zufriedenstellen. Mit wachsender Bevölkerung stehen wiederum mehr Möglichkeiten zur Verfügung und wir können unsere Siedlung weiter ausbauen.

Neue Landstücke lassen sich erschließen, Hindernisse beseitigen und natürlich darf auch dekoriert werden. Gebäude können optisch angepasst werden, sodass nicht zwangsläufig eine identische Häusersiedlung neben der anderen entstehen muss. Wer gerne ein wenig tüftelt und gestaltet, kann sich hier entsprechend austoben.

Spielen, ohne ständig spielen zu müssen

Besonders gut gefallen hat mir allerdings, dass Verde nicht permanent nach Aufmerksamkeit schreit.

Natürlich kann man sich hinsetzen und längere Zeit aktiv an seiner Stadt basteln. Man kann Gebäude verschieben, dekorieren und überlegen, welcher Teil der Siedlung als Nächstes wachsen soll. Aber Verde funktioniert für mich ebenso gut als Spiel, das einfach nebenher läuft.

Genau darin liegt für mich eine seiner größten Stärken.

Während ich am Rechner andere Dinge erledige, kann Verde gemütlich auf einem zweiten Bildschirm weiterlaufen. Zwischendurch schaue ich hinein, sammle Ressourcen beziehungsweise Erträge ein, baue ein paar neue Häuser oder kümmere mich um das nächste Bedürfnis meiner kleinen Bewohner. Anschließend dürfen die Seedlets wieder eine Weile alleine vor sich hin wuseln.

Das macht Verde zwar nicht zu einem klassischen Idle Game, aber es besitzt einige der Qualitäten, die ich an diesem Genre mag: Man muss nicht permanent klicken und optimieren, um das Gefühl zu bekommen, dass etwas passiert.

Gerade nach einem langen Arbeitstag ist das erstaunlich angenehm.

Kein Wirtschaftsstudium erforderlich

Wer bei einem City Builder normalerweise sofort Excel im Kopf öffnet und anfängt, Produktionsraten gegeneinander aufzurechnen, wird bei Verde vermutlich unterfordert sein. Das ist allerdings kein Fehler, sondern ziemlich offensichtlich Teil des Konzepts.

Verde möchte keine knallharte Wirtschaftssimulation sein.

Verde. Pic Antimeta Studio
Verde. Pic Antimeta Studio

Die Bedürfnisse der Seedlets sorgen dafür, dass man nicht vollkommen gedankenlos bauen kann, und die unterschiedlichen Regionen des Dewdrop Valley bringen jeweils eigene Besonderheiten mit. Trotzdem bleibt der Schwierigkeitsgrad angenehm niedrig. Effizienz ist weniger wichtig als die Frage, ob einem die eigene kleine Siedlung gefällt.

Dadurch entsteht ein sehr entspannter Spielfluss. Ein Haus hier, eine Einrichtung dort, ein bisschen Dekoration und irgendwann fällt auf, dass aus dem kleinen Anfang inzwischen ein ziemlich lebendiger Ort geworden ist.

Das motiviert erstaunlich gut.

Vor allem gibt es kaum Situationen, in denen Verde Stress erzeugt. Andere Aufbauspiele bestrafen eine schlechte Planung gerne mit kollabierenden Produktionsketten, leeren Lagern oder einer Bevölkerung, die plötzlich kollektiv beschließt, dass der Bürgermeister doch bitte das Weite suchen möge. Verde bleibt wesentlich freundlicher.

Hier darf ausprobiert werden.

Ideal für die kleine Runde zwischendurch

Dadurch eignet sich Verde auch sehr gut für Spielerinnen und Spieler, die eigentlich gerne Aufbauspiele mögen, denen große Strategiespiele aber schlicht zu viel Zeit und Aufmerksamkeit abverlangen.

Man muss keinen Abend für Verde reservieren.

Verde. Pic Antimeta Studio
Verde. Pic Antimeta Studio

Zehn Minuten reichen genauso, um nach den Seedlets zu sehen, etwas zu bauen und anschließend wieder etwas anderes zu machen. Und wenn man dann doch hängen bleibt und eine Stunde lang Häuser platziert und die Siedlung hübscher macht – nun ja, dann hat das Spiel offenbar seinen Job erledigt.

Für mich entwickelte sich Verde deshalb schnell zu einem dieser Titel, die ich gerne nebenher geöffnet lasse. Nicht weil ständig etwas Spektakuläres passiert, sondern gerade weil es das nicht tut.

Die kleinen Bewohner wuseln herum, die Stadt wächst und irgendwann schaut man wieder vorbei.

Manchmal reicht genau das.

Fazit

Verde ist ein kleiner, ausgesprochen sympathischer Cozy-City-Builder, der sehr genau weiß, was er sein möchte. Statt komplexer Wirtschaftssysteme und permanentem Optimierungsdruck gibt es niedliche Seedlets, hübsche Siedlungen und einen angenehm entspannten Spielfluss.

Besonders gefallen hat mir, wie gut sich Verde nebenher spielen lässt. Man kann sich intensiv mit dem Aufbau und der Gestaltung beschäftigen, muss es aber nicht. Das Spiel verzeiht es problemlos, wenn es eine Weile einfach vor sich hin läuft und man nur gelegentlich nach seinen Bewohnern schaut.

Wer eine anspruchsvolle Städtebausimulation sucht, ist hier entsprechend falsch. Wer dagegen nach einem charmanten Spiel sucht, bei dem man nach Feierabend einfach ein bisschen bauen, dekorieren und kleinen Samenwesen beim Herumlaufen zusehen möchte, sollte sich Verde anschauen.

Niedlich, gemütlich und wunderbar unaufgeregt – manchmal muss ein Spiel gar nicht mehr sein.

Wertung

8 von 10 Sofakissen

Transparenzhinweis

Für diesen Test wurde uns ein kostenloses Rezensionsexemplar von Verde zur Verfügung gestellt. Eine Bezahlung für den Artikel oder Einflussnahme auf unsere Bewertung erfolgte nicht.